Originaltitel: POURRIS GÂTÉS

F 2021, 95 min
FSK 6
Verleih: Telepool

Genre: Komödie

Darsteller: Gérard Jugnot, Camille Lou, Artus

Regie: Nicolas Cuche

Kinostart: 12.05.22

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Meine schrecklich verwöhnte Familie

Die Kinder des Monsieur Bartek

Wir leben ja in Zeiten des Naserümpfens. Jeder mokiert sich über irgendwen, moniert irgendwas, man reibt sich scheinbar an allem. Von diesem zu viel, von jenem zu wenig. Und nicht selten nimmt die blöde Schwester Meckerei dann auch noch den häßlichen Bruder Neid ans schwitzige Händchen, und schon wünscht sich mancher in ein anderes Leben, selbstredend ein besseres! Was sich dann oft profan im Sehnen nach mehr Geld, mehr Luxus, mehr Glamour erschöpft. Dieser in höchstem Maße unterhaltsame Film nun taugt zur Beruhigung aller Wankelmütigen. Wenn man die verwöhnten, gar nicht mehr so kleinen Kinder des Monsieur Bartek sieht, dann will man nicht mehr tauschen, und nach Monaco ziehen, diesem trostlos zugebauten Hort der Dekadenz, gleich gar nicht.

Nicolas Cuche erzählt in seiner pointierten Komödie von Reichtum, Faulheit, Leere und Dünnhäutigkeit. Und Zusammenhalt. Camille kriegt Tobsuchtsanfälle, wenn der Pampelmusensaft nicht kommt, Alex vögelt aus Langeweile die Mutter einer Kommilitonin, und das Dickerchen Philippe kommt eher aus Rechtfertigung des Nichtstuns auf blödsinnige Geschäftsideen, aktuell gehört das Eintragen neuer Schuhe für eine zahlungskräftige Kundschaft zu diesen Hirnfürzen. Das gutmütige, durch Fleiß und Cleverness zu Wohlstand gekommene Familienoberhaupt Francis hat die Faxen dicke, daß seine Brut auf seine Kosten auf der faulen Haut liegt, er täuscht einen Bankrott vor. WLAN weg, Handies weg, Autos weg, Kreditkarten weg, Sushi weg, Leben weg ... Panikattacken, Heulkrämpfe und rapide schwindender Lebensmut sind die Folge.

Nun muß man nicht an der Glaskugel reiben, um zu ahnen, was passiert. Wer mindestens einmal im Kino war, weiß daher in etwa, was kommen wird, was aber nicht schlecht sein muß, da Cuche versiert mit dem dramatischen Potential von Komik umgeht, es sind nun mal oft die Umstände, die einen Menschen formen, so rührt es durchaus an, wenn die Familie in der „Notlage“ zusammenrückt. Klar, Cuche haut auch mal derber drauf, der Griff zu den Mitteln der Persiflage lag daher nahe. Das Mitleid des Betrachters hinsichtlich schweißtreibender Rikscha-Schufterei und widerwilligen Tellerwaschens hält sich dabei naturgemäß in Grenzen, mit Klischees wird bravourös jongliert, die Gags sitzen, und die Barteks werden zu dem, was man anfangs für unmöglich gehalten hätte: eine schwer sympathische Bande.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Meine schrecklich verwöhnte Familie ab heute im Kino in Leipzig