Originaltitel: ROSEBUSH PRUNING
D/I/GB/Spanien 2026, 94 min
Verleih: MUBI
Genre: Satire, Drama
Darsteller: Callum Turner, Jamie Bell, Elle Fanning, Pamela Anderson
Regie: Karim Aïnouz
Kinostart: 23.04.26
Zu Mutters Ehren wird ein Lamm geopfert. Jeden Monat ziehen die Familienmitglieder aus, um an der Unfallstelle im Wald einen Kadaver abzulegen und rituell den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen. In spektakulärer Zeitlupe preschen die Tiere sogleich den Hang herunter. Sie, die die Mutter, gespielt von der unvergleichlichen Pamela Anderson, einst zerfleischt haben sollen.
Mit derart absonderlichen Szenen definiert ROSEBUSH PRUNING seinen humoristischen Tonfall. Das heißt: Der Film zielt weniger auf Pointen und Schenkelklopfer, sondern will mit seinem Befremden für irritiertes Gelächter sorgen. Er geht irgendwann aber auch so weit, daß man sich angeekelt abwenden will. Schließlich lebt die Satire ebenso von ihren Grenzüberschreitungen und Geschmacklosigkeiten, spätestens wenn eine gewisse Abendroutine gezeigt wird. Stichwort: Zahnpasta! Regisseur Karim Aïnouz und Drehbuchautor Efthimis Filippou haben damit eine Provokation geschaffen, an deren Kalkül man sich reiben kann. Spannend und auf fiese Weise amüsant sind dennoch die Konsequenz und Weltlosigkeit, mit der ihr Film porträtiert, wie sich eine inzestuöse, reiche Sippe der Perversion hingibt. Verloren in der abgekapselten, luxuriösen Leere ihres Daseins.
ROSEBUSH PRUNING zeigt damit in kunterbunten, sinnlichen Bildern und mit einer teils psychotisch anmutenden, schroffen Montage ein System im System. Es kann seine Abgrenzung und Überhöhung nur noch steigern, indem es Angehörige im Innersten übergeht und danach strebt, den eigenen verqueren Mythos real werden zu lassen. Eine Familie muß eben manchmal gestutzt werden, wie es schon am Anfang des Films in etwa heißt. So wie ein Rosenstrauch.
[ Janick Nolting ]