Originaltitel: TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA

USA/GB/Kanada 2026, 112 min
Verleih: MUBI

Genre: Horror, Killer, Erotik

Darsteller: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix

Regie: Jane Schoenbrun

Kinostart: 20.08.26

Teenage Sex And Death At Camp Miasma

Kleiner Tod, erwache!

Fleisch und Körperflüssigkeiten. Ging es echt nur darum? Zwei Generationen treffen hier aufeinander und tauschen sich über ein legendäres Slasher-Franchise aus: CAMP MIASMA. Eine Nachwuchsregisseurin, die die Reihe wiederbeleben soll, verbindet damit prägende Jugenderinnerungen, aber auch ein Wissen um deren Abgründe. Gerade was die Transphobie der Horrorfilme anbelangt und das Kalkül, warum ausgerechnet sie als queere Person für das Reboot engagiert wurde. Billy, das sogenannte Final Girl des Originals, scheint indes einen weniger akademischen Zugang zu haben. Die Horror-Diva lebt heute in den verlassenen Kulissen des Kultfilms. Eine Phantasiewelt; daran lassen die herrlich kitschigen Winterbilder kaum Zweifel. Beide Figuren nähern sich an, erkunden ihre Gelüste und ebnen den Weg für ihre Zusammenarbeit, während ein altes Grauen im Camp umherspukt.

Das ist quasi der Ausgangspunkt für einen Meta-Kommentar zum Meta-Kommentar und eine amüsante Variation von SUNSET BOULEVARD. Jane Schoenbruns Werke haben sich bislang mit Queerness, Nostalgie, medialem Horror und Realitätsverlust befaßt. Sie haben die eigenen Seherfahrungen kritisch befragt, und TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA setzt dieses Projekt nahtlos fort. Schoenbruns Slasher-Dekonstruktion dringt tief in die Verflechtung von Identität, Erotik, Schaulust und Gewalt ein. Die Maske des Killers erinnert an einen hypnotischen Tunnel und Fernseher. Little Death heißt er. Wie der Orgasmus. Der Blick durch seine Maske ist zugleich der Bildausschnitt der Kamera. Es geht um ein masochistisches Sehen und Gesehen-Werden, ein Identifizieren mit Tätern und Opfern, eine paradoxe Lust am Stereotyp und an Camp als Ästhetik. Im Blutrausch werden die tödliche und sexuelle Penetration, Mensch und Film, Subjekt und Objekt eins. Das ist Schoenbruns Crashkurs in Phänomenologie.

Schade nur, daß er irgendwann so an Kraft in seinen Einordnungen und selbstreflexiven Brüchen verliert! So frisch, reichhaltig und faszinierend Schoenbruns Handschrift bleibt: Dieses Erzählen in Fußnoten, Metaphern und Theorien wäre vermutlich noch stärker, würde es sich wieder mehr auf seine eigentliche Irritation verlassen, anstatt sie immer schon als Diskurskino vor sich herzutragen.

[ Janick Nolting ]