Originaltitel: THE NORTH
NL 2025, 131 min
Verleih: Piffl
Genre: Drama
Darsteller: Bart Harder, Carles Pulido, Sharon Verdegern
Regie: Bart Schrijver
Kinostart: 21.05.26
Cape Wrath ist der nordwestlichste Punkt Großbritanniens und liegt folglich an der Küste Schottlands, am Atlantik. Und es ist auch deshalb nicht so ganz nebensächlich, daß der Name des Kaps sich nicht, wie man vielleicht meinen könnte, vom englischen Wort für Zorn oder Wut herleitet, sondern dieses „Wrath“ aus dem Altnordischen entlehnt ist und so viel wie Umkehr bedeutet: Denn es waren Wikinger, die einst auf ihren Raubzügen dieser meerumtosten Küstenlandschaft den Namen „Kap der Umkehr“ verliehen. Weiter als bis Cape Wrath ging´s nicht mehr.
Auf Raubzug sind Chris und Lluis natürlich nicht aus, auf eine Art ideellen Gewinn aber schon. Den West Highland Way wollen die zwei Freunde entlangwandern. 600 Kilometer in 30 Tagen, bis hinauf zum Cape Wrath. THE NORTH begleitet sie dabei und zeigt neben einer kontemplativen Abfolge oft grandioser Landschaftsmotive dann vor allem eins: Daß nämlich, wer umkehren will, erst ankommen muß. Ansonsten wäre das Umkehren nämlich ein Aufgeben. Und Aufgeben kommt nicht in Frage. Oder?
Denn so ganz ohne körperliche und auch zwischenmenschliche Strapazen und Blessuren – Zorn und Wut inklusive – geht diese kraftfordernde Tag-für-Tag-Trekking-Tour für Chris und Lluis nicht ab. THE
NORTH beobachtet das aus der wertungsfreien Distanz, ist gleichsam ein Logbuch dieser Wanderschaft. Und wird darüber, Schritt für Schritt, zum Protokoll einer Freundschaft in der Belastungsprobe. Und zum Porträt zweier doch sehr zeittypischer Zeitgenossen, die lernen müssen, daß Einsamkeit und die schier übermächtige Weite und Schönheit der Highlands ihnen weit mehr abfordern als nur eine sportive Leistung.
[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.