D/CH 2014, 87 min
FSK 0
Verleih: Real Fiction

Genre: Dokumentation, Biographie

Stab:
Regie: Maurizius Staerkle-Drux
Drehbuch: Maurizius Staerkle-Drux

Kinostart: 29.01.15

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Die Böhms – Architektur einer Familie

Schwebendes Dach über tragenden Wänden

Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen. So beschreibt der Volksmund einen gültigen männlichen Lebensentwurf und meint: Bleibendes schaffen. Der Architekt und Bildhauer Gottfried Böhm könnte sich demnach zurücklehnen. 1950 begann mit der Fertigstellung seines ersten eigenständigen Bauwerks eine beeindruckende Architektenkarriere, später gekrönt mit dem Pritzker-Preis. Im selben Jahr wurde der erste von vier Söhnen geboren, drei davon heute selbst Architekten von Rang. Um die Bepflanzung des Familiensitzes im noblen Köln-Marienburg kümmert sich ein früherer Kollege.

Der Regisseur, der sich diesem bald 95 Jahre alten Grandseigneur der deutschen Architektur in seinem ersten langen Dokumentarfilm nähert, ist noch keine Dreißig. Damit wären die Respektverhältnisse geklärt. Und doch verharrt Maurizius Staerkle-Drux nicht in der ehrfürchtigen Verbeugung, sondern begegnet seinem Gegenüber voller Selbstvertrauen in das eigene Konzept. Das mag daran liegen, daß sich beide Familien freundschaftlich verbunden sind. Vielleicht auch daran, daß zwischen dem Künstlersohn Staerkle-Drux und dem greisen Böhm so etwas wie stilles Einvernehmen über die Empfindlichkeiten, Selbst- und Fremdbilder von Kreativen herrscht. Vor allem aber verdankt es sich den klugen Fragen, die hier an dieses erfüllte Leben gestellt werden. Wie nämlich sieht der emotionale Bauplan der Böhmschen Architektendynastie aus?

Die entscheidende Frage ist die nach der Frau in diesem Männerbetrieb. Elisabeth, selbst Architektin, brachte nicht nur die Kinder zur Welt, sondern wirkte auch an Projekten ihres Gatten mit, freilich im Hintergrund. Daß sie den Söhnen oft die wichtigere, engere Vertraute war, auch als kompromißlose Entwerferin, sprechen die Vier offen aus. Wie sehr sie ihrem Ehemann tragende Wand blieb, zuletzt trotz Demenz, wird offensichtlich, als Elisabeth während der Dreharbeiten stirbt.

Das familiäre Kraftzentrum löst sich auf – und avanciert doch gleichzeitig zum fragilen Energiepunkt dieses Gruppenporträts. Um ihn herum werden Konkurrenzen besprochen: zwischen Vätern, Söhnen und Brüdern, zwischen Frauen und Männern, zwischen architektonischem Wagemut und unternehmerischem Pragmatismus. Um ihn herum ordnen sich die Bilder: Arbeits-, Vertrautheits- und Schweigesequenzen, Kamera-Streifzüge durch Zimmer und Atmosphären, so diskret wie zwingend.

[ Sylvia Görke ]

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