Originaltitel: YA TAYR EL TAYER

Palästina/GB/Katar/NL/Vereinigte Arabische Emirate 2015, 100 min
FSK 0
Verleih: Koch Films

Genre: Drama

Darsteller: Tawfeek Barhom, Kais Attalah, Hiba Attalah

Regie: Hany Abu-Assad

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Ein Lied für Nour

Wahre Geschichte eines palästinensischen Superstars

Der Regisseur Hany Abu-Assad ist bekannt dafür, in seinen Filmen (RANA’S WEDDING, PARADISE NOW) Geschichten zu erzählen, die nah an der Realität liegen. Im Fall von EIN LIED FÜR NOUR geht er einen Schritt weiter und erzählt eine wahre Geschichte, die klingt, als wäre sie ein Märchen.

Es ist die Story des Palästinensers Mohammed Assaf, der seit seiner Kindheit Menschen mit seiner außergewöhnlichen Stimme begeistert und sich schließlich über die abgeriegelte Grenze bis zum Casting für die „Arab Idol“-Show in Kairo durchschlägt. Assaf nimmt an der Talentshow teil und elektrisiert die arabische Welt. Kein TV-Ereignis begeistert die Menschen so wie „Arab Idol“ – schon in den Ausscheidungsshows verfolgen mehrere zehn Millionen Zuschauer, wie Assaf die krisengeplagten Palästinenser ihre Probleme vergessen läßt. Sein Sieg in der Finalshow wird frenetisch gefeiert, man sieht in Assaf einen Botschafter des palästinensischen Volkes. Hany Abu-Assad selbst erlebt das Finale in Nazareth und sagt, ihn habe Assafs Sieg mehr gefreut als der Jury-Preis, den er nur Wochen vorher in Cannes gewonnen hatte.

Im Film nimmt sich Abu-Assad die Freiheit, der realen „Arab Idol“-Erfolgsstory eine stärker fiktionale Vorgeschichte voranzustellen, in der er sich auf die Kindheit von Mohammed und seiner Schwester Nour konzentriert und deutlich macht, daß es vor allem die zielstrebige Schwester war, die Mohammed dazu gebracht hat, sein Potential zu entfalten. Die großartigen Kinderdarsteller durchstreifen den zerstörten Gaza-Streifen lässig und voller Tatendrang, sie wirken wie die arabische Version der BMX-Bande. Der erste Teil läßt sich viel Zeit, den Alltag der Kinder Revue passieren zu lassen. Sobald sich der erwachsene Mohammed aus Gaza entfernt hat und in die Mühlen des TV-Business eingestiegen ist, zieht das Tempo merklich an und es werden vermehrt TV-Aufnahmen des echten Sängers eingestreut. Dadurch wird unmittelbar spürbar, wie stark Mohammed die Menschen in der arabischen Welt elektrisiert hat, leider gerät dabei die Hauptperson selbst aus den Augen. Möglicherweise ist diese Entwicklung aber der denkbar treffendste Kommentar auf die weltweite Casting-Show-Hysterie: Was hier am Ende zählt, ist schließlich die Bühnenperformance und nicht das, was hinterm Vorhang passiert.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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