Originaltitel: UNE PART MANQUANTE
F/Belgien/J 2024, 100 min
FSK 12
Verleih: Film Kino Text
Genre: Drama
Darsteller: Romain Duris, Judith Chemla, Mai-Cirne-Masuki
Regie: Guillaume Senez
Kinostart: 02.04.26
Jérôme kennt sich aus. Als ihn in Tokio ein Japaner nach dem Weg fragt, ist zu ahnen, daß er schon längere Zeit dort leben muß. Auch sein Japanisch scheint perfekt, sogar Jérôme wird er nicht genannt, sondern Jay-san, und im Waschsalon verhüllt er mit einem Pflaster sein Hüft-Tattoo. Der Franzose weiß, was sich in Japan gehört. Er weiß aber auch, was dort partout nicht klappt, weil die Gesetze keine Optionen erlauben. Geteiltes Sorgerecht für gemeinsame Kinder zum Beispiel existiert schlichtweg kaum, doch genau deshalb ist Jérôme geblieben. Seine Tochter war drei, als er sie zum letzten Mal gesehen hat und seine japanische Ehefrau mit ihr untergetaucht ist. Jetzt ist Lily zwölf. Ihr Vater hört nicht auf, sie zu suchen. Als Koch, der er war, war es schwierig, als Taxifahrer setzt Jérôme auf den Zufall. Er ist getrieben. Alimente muß er zahlen und zahlt sie gern. Was ihm fehlt, ist der Kontakt zur Tochter. Nichts, absolut nichts kann es kompensieren.
Guillaume Senez verfolgt Jérôme, aufrichtig-berührend gespielt von Romain Duris, auf Schritt und Tritt in dessen Hartnäckigkeit, die einer Obsession nahekommt, um den fehlenden Teil im Leben zu finden. Ist dabei, als er in einer Art Selbsthilfegruppe andere Betroffene unterstützt, läßt ihn in die Heimat skypen, wo der alte Vater geduldig die Hoffnungsschimmer seines Sohnes erträgt. Und auch, als es so weit ist, daß sich eine Zwölfjährige zu Jérôme ins Taxi setzt, die ihn stutzen läßt, klärt sich bis zum zunächst emotionalen, dann dicken Ende nichts von selbst.
Interessant: A MISSING PART erweitert unaufdringlich den europäischen Japan-Blick aus Wim Wenders’ PERFECT DAYS.
[ Andreas Körner ]