D 2026, 100 min
Verleih: DCM
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Darsteller: Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner, Luna Wedler, Haley Louise Jones, Martina Gedeck
Regie: Anna Roller
Kinostart: 16.04.26
Und wenn am Ende von einem Film nur ein einziger Begriff bleiben sollte, ist es hier die „vorauseilende Wehmut.“ Sie war schon bei Regisseurin Anna Roller hängengeblieben und stammt aus dem Buch von Leif Randt, das die Vorlage für ihren zweiten Film liefern durfte. „Allegro Pastell“ erschien vor genau fünf Jahren und darf sich veritabler Bestseller nennen. Gekauft, gelesen und goutiert hatten ihn wirklich jene, für die er geschrieben wurde und die nun auch vor der Leinwand, dieser manchmal so böse eigenwilligen Sparringspartnerin für Romanvorlagen, erwartet werden: Ü30er und ach, ihre Zustände – Aggregat-, Schwebe-, Angstzustände. Plus Sinnfragen ohne feste Antwort. Da will man nicht unbedingt noch mal betroffen sein, eher stiller Beobachter. Der Sessel im Saal als Lift für Höheres ist der ideale Platz dafür. Wenn es funktioniert.
Der Treueschwur zum Text kommt vom Autor selbst, er hat auch das Drehbuch geschrieben und die Handlung maßgeblich mit dem Off-Ton der Hauptcharaktere überdachen und von graphisch feinen Texttafeln rahmen lassen. Orte (Berlin und Maintal, Hessen) sowie Zeiten (2018/19) bleiben ebenso erhalten wie das Wesen der wichtigen Charaktere. Weit vor allen anderen sind es die hippe Schriftstellerin Tanja und der Webdesigner Jerome, die sich kennenlernen und frühen Sex haben, der ein Versprechen in sich trägt. Zwei, die bald bei Grüntee rituell schweigen werden, mit Affären dem Reiz des Kontrollverlustes erliegen, in zwei so grundverschiedenen Gegenden bleiben wollen und die räumliche Ferne ihrer Beziehung mit Smartphone-Nachrichten kultivieren. Zwei, die schweben, eben. Was ihr Problem ist und ob es relevant ist? Das wäre zu klären. Geld jedenfalls ist es nicht. Vielleicht die fehlenden oder zu großen Erwartungen.
ALLEGRO PASTELL konzentriert sich voll auf Tanja und Jerome und damit auf die in ihrer Präsenz starken Sylvaine Faligant und Jannis Niewöhner. Neben ihnen allerdings dockt keine weitere Figur substantiell an. Dem ästhetisch so stylischen wie genießerischen Film fehlt, trotz paralleler Unverbindlichkeiten zwischen Ahnung und Gewissheit, jene frappierende Originalität, die beispielsweise Renate Reinsve für alternierende Mittdreißiger im norwegischen DER SCHLIMMSTE MENSCH DER WELT so entwaffnend auszuspielen wußte. Was beide Filme allerdings einzufangen wissen, ist das Verstreichen der Zeit. Samt „vorauseilender Wehmut.“
[ Andreas Körner ]