D 2025, 94 min
FSK 12
Verleih: Port au Prince

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Cindy Klink, David Knors, Marion Kracht, Athena Lange

Regie: Milan Skrobanek

Kinostart: 02.04.26

Als wäre es leicht

Wo die Liebe hinfällt

Eigentlich leben sie in verschiedenen Welten: die rebellische, schicke Kati, die gern fotografiert, und der leicht trotzige Florian, der sein Herz nicht gerade auf der Zunge trägt und für den FC St. Pauli lebt. Sie ist gehörlos, er ist blind. Beide begegnen sich bei einem Inklusionsprojekt in Hamburg. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit verlieben sich diese beiden ineinander.

Anfangs kommunizieren sie vor allem über vorgelesene Sprachnachrichten auf dem Handy. Eine unpersönliche Stimme liest die Mitteilungen vor, die sie sich schreiben. Später lernt Florian das Gebärden, während Kati zur Lautsprache wechselt. Ein großer Vertrauensbeweis von ihrer Seite, denn viel lieber verständigt sie sich in Gebärdensprache. Ein Cochlea-Implantat, das ihr zumindest einen Hör-eindruck verschaffen würde, lehnt die junge Frau vehement ab. Sie kommt ohne Gehör zurecht und will sich nicht von ihrer etwas übergriffigen Mutter zur Operation drängen lassen. Auch Florian trägt schwer an Familienkonflikten, den Kontakt zu Vater und Bruder hat er vor Jahren abgebrochen. Und mit seinem Jobvermittler beim Arbeitsamt steht er ebenfalls auf Kriegsfuß. Die Schwierigkeiten, die Kati und Florian mit der Welt und später auch miteinander haben, sind nur mittelbar durch ihre jeweiligen körperlichen Einschränkungen bedingt. Beide tragen viel Frustration in sich, die sie nicht immer besonnen ausagieren.

Die Hauptdarsteller Cindy Klink und David Knors sind auch im wirklichen Leben gehörlos und (fast) blind und bringen dadurch eine große Authentizität in den sorgfältig in Szene gesetzten und mit einem wunderbaren Score versehenen Film ein. Regisseur Milan Skrobanek versucht, die speziellen Erfahrungen seiner Protagonisten zu verdeutlichen. So nimmt er ab und an den Ton weg, um Cindys stille Welt zu veranschaulichen. Bei Florian ist das schwieriger, ist doch die Natur des Mediums Film nun einmal visuell.

Nicht alle Szenen wirken durchgängig plausibel, etwa, wenn Florian auf einer altertümlichen Braille-Schriftmaschine tippt statt einfach einen Computer zu benutzen. Vor allem aber wird eben mehr gezeigt als erzählt. So bekommt der Film einen leicht didaktischen Touch. Die aufeinander getürmten Handlungsbausteine nehmen den interessanten Darstellern mitunter die Luft zum Atmen.

[ Dörthe Gromes ]