D 2026, 111 min
Verleih: Pandora
Genre: Tragikomödie, Literaturverfilmung
Darsteller: Dagmar Manzel, Joachim Król
Regie: Andreas Dresen
Kinostart: 08.10.26
Ein positiver Nebeneffekt überalterter Gesellschaften ist, daß das Kino mehr vom Altsein zu erzählen hat. Auch der deutsche Film liefert reichlich Geschichten vom Älterwerden, erinnert sei an WEISST DU NOCH, ebenso an DANN PASSIERT DAS LEBEN, und nun folgt Andreas Dresens ALTE LIEBE. Drei Filme über Paare in langen Beziehungen, drei Filme, die eine Erzählung über Abrieb und Routine, Vertrauen und Zweifel eint – und daß sie herausragend besetzt sind.
Jetzt durchleben Dagmar Manzel und Joachim Król als Lore und Harry Verschiedenheit in dem, was man vom Leben noch so will. Sie erwarten anders, sie memorieren anders, sie verdrängen anders. Harry verkriecht sich in den Garten, Lore arbeitet noch, bei Streß greift Harry zu Fluppe und Bierchen, Lore wird laut. Die Hochzeit der Tochter steht an, sie will nicht allein hin, ihn stört, daß es ausgerechnet ein „Wessi“ sein muß. Es sind banale Sachen, vorschnelle Gefühligkeiten und lapidare Forderungen, die an die Decke gehen lassen. Und darin irritiert bisweilen der Ton des Films, zumal die zwei ja an sich gut kommunizieren, in anderen Ehen soll es ja durchaus schweigsamer zugehen. Man wundert sich daher, daß Lore an der Fleischtheke derart ausrastet. Laß dem Harry doch die vier Bratwurstschnecken! Aber Unterdrücktes bahnt sich seinen Weg, Lore liest, Harry verblödet, sie will reisen, er pflanzt Fette Hennen, irgendwann lesen sie Todesanzeigen, irgendwann kommen alte Eifersüchte. Sie sehen nicht, wie gut es ihnen geht, deswegen klappert auch deren pauschale Kapitalismuskritik, zumal der ALDI-Robusta dankbare Kehlen findet in ihrem toll zelebrierten Espresso-Ritual.
Dresen wählte den szenischen Rhythmus der Jahreszeiten, mit Verknappung in den kälteren als Metapher für das sich verjüngende Leben. Es gibt berührende Momente, so im Altersheim, wenn sie getrennt Lores Mutter besuchen und Monologe führen. Auch Humor blitzt auf, etwa, wenn Harry Buchtitel falsch zitiert oder Clemens Meyer doch noch erwacht. Und trotzdem wirkt das oft eher distanziert anekdotisch als aus einem Ganzen, der Zuschauer bleibt Zaungast und säße doch lieber in der Küche. Vielleicht aber offenbart Dresens Film in den Figuren einfach eine Leere, die linke Träumereien irgendwann hinterlassen, Lore und Harry sind ein Paradebeispiel dafür, daß auch Wetterjacken nicht vor Ernüchterung schützen, wenn man dem schnöden Alltag und zerplatzenden Illusionen kein Paroli bietet. Größter Trumpf bleibt die Besetzung, wobei es an Dagmar Manzel ist, daß selbst rüde Sätze fast versöhnlich klingen: „Du kannst so eklig sein!“
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.