D 2026, 96 min
Verleih: Real Fiction
Genre: Dokumentation, Biographie, Polit
Regie: Fosco Dubini, Barbara Marx
Kinostart: 18.06.26
Eine Persönlichkeit wie Bärbel Bohley inszeniert man nicht mit einem künstlerischen Kniff allein. Es braucht schon mehrere Herangehensweisen und mediale Schichten, um sich ihr und der deutsch-deutschen Vergangenheit zu nähern. Bohley, die 2010 in Thüringen verstarb, war Künstlerin, Oppositionelle und Bürgerrechtlerin in der DDR. 1989 war sie Mitbegründerin des Neuen Forums und damit eng mit den Entwicklungen der Wendezeit verbunden. Barbara Marx und Fosco Dubini haben ihr, die sich für ein gerechteres, freies Leben eingesetzt hat, nun einen Film gewidmet. Er beleuchtet die Zeit Ende der 80er, als Bohley verhaftet und in den Westen ins Exil abgeschoben wurde.
Tagebuchaufzeichnungen von ihren Reisen dienen als Grundlage, um einen zeitlichen Bogen bis zu Bohleys Rückkehr in die DDR zu spannen. Der Film läßt dabei die Schauspielerin Lilli Fichtner als Repräsentantin und Wiedergängerin Bohleys auftreten. Texte werden im Voice-Over vorgetragen, Archivbilder eingespielt. Orte von damals werden in (technisch etwas amateurhaft anmutenden) Streifzügen erkundet und zur Anschauung montiert. Und dann gibt es da noch die Interviews und Berichte anderer Widerständler und Aktivisten, darunter Ulrike Poppe und Roland Jahn, die sich an ihre Erlebnisse in der DDR erinnern.
Was dem Film damit gelingt, ist ein komplexes Porträt staatlicher Gewalt und der Perfidie ihrer Methoden. Die Titelgeberin und Hauptfigur droht derweil ein wenig unterzugehen in all den vorgetragenen Erzählungen und Schicksalen, ehe sie zur weiter andauernden Spannung der Gegenwart überleiten darf. Das meint: die Wende als Übertritt von der einen Ideologie in die andere, die sich allzu gern selbst verleugnet.
[ Janick Nolting ]