D 2026, 100 min
Verleih: Constantin

Genre: Komödie

Darsteller: Max von der Groeben, Mala Emde, Florian Lukas, Jasmin Schwiers, Lorenzo Germeno

Regie: Marc Rothemund

Kinostart: 03.09.26

Das gewisse Etwas

Einfach mal loslassen

Zweifellos läßt sich über Sinn und Nutzen von Remakes diskutieren, ganz allgemein. Und noch mal mehr von solchen, die keine eigenen Vorlageninterpretationen liefern, nur spiegeln. So wie hier. Trotzdem hat die deutsche Übertragung des vor ziemlich exakt zwei Jahren gestarteten WAS IST SCHON NORMAL? ihre unbenommene Daseinsberechtigung, da der genannte Film mit rund elf Millionen Zuschauern zwar so richtig abhob – aber lediglich in seiner Heimat. Über die hierzulande flügellahmen Zahlen schweigt man besser. Und hofft auf Rehabilitation im quasi hauseigenen Zweitversuch. Weil diese verdient wäre.

Zwei Juwelenräuber, Alex und Karlo, geraten auf der Flucht in eine Gruppe junger Leute mit Beeinträchtigung auf dem Weg zum Sommervergnügen. Aus Alex wird spontan Otto, verspätet fehlender Teilnehmer, Karlo mimt seinen Betreuer. Das sowieso reichlich fragile Lügengebäude droht komplett zusammenzufallen, als Alex sich in Sozialarbeiterin Polly verguckt.

Inhaltsnähe bis hin zum Detail erlaubt die Übernahme großartiger Kleingags, darunter eine unverändert zündende Rambo-Scharade, aufgeführt von Jasmin Schwiers als zwischen patent-rustikal und überfordert-weichherzig pendelnder Jagdfan. Ihr zur Seite steht Mala „Polly“ Emde und bringt etwas ein, an dessen Alltagsexistenz man schon seit geraumer Zeit kaum zu glauben wagt. Lockere Frische nämlich, freundlichen Optimismus, ehrliche Empathie. Und genau dort verfügt die Adaption über spürbaren Zugewinn – die originale Alice war sympathisch, Polly hingegen leuchtet regelrecht. Emde eben.

Man amüsiert sich zudem weiterhin über eine mindertalentierte Köchin, welche per Running Gag bloß farblich umkodierten Brei wechselnd Moussaka, Lammragout oder sonstwas nennt. Ist anfangs vielleicht dezent irritiert angesichts nicht gerade watteweicher Komik, erkennt allerdings bestenfalls schnell, wie eng als moralisch korrekt verinnerlichte Grenzen verlaufen, quasi bereits festgetackert sind. Daß permanentes Beachten vermeintlich wichtiger „Das darfst Du nicht!“-Regeln Freude raubt, ebenso wie der Drang zu ständiger Einordnung, weisem Kommentar und übergestülpter Erwartung. Elf Millionen Franzosen ließen sich einst treiben. Wir könnten es jetzt testweise auch versuchen, dann doch neu hinzugefügte Prisen Didaktik geben die wohl nötige Startsicherheit.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...