Originaltitel: DREAMS

Mexiko/USA 2025, 100 min
Verleih: Weltkino

Genre: Drama, Erotik

Darsteller: Jessica Chastain, Isaac Hernández

Regie: Michel Franco

Kinostart: 23.07.26

Dreams

Amerikanischer Fetisch

Michel Franco ist dem Unbequemen treu geblieben. In den Filmen des Mexikaners geht es um Macht und Mißbrauch, Entfremdung, Traumata und Schmerz. Die Gewalt in Familien und Partnerschaften geht dabei auch mit der ökonomischen Gewalt einher. In DREAMS sorgt das einmal mehr dafür, daß das psychologische Drama im Mittelpunkt schnell zum systemischen Problemfall wird.

Francos Protagonist, ein Tänzer aus Mexiko, springt aus einem Truck voller Flüchtlinge. Fernando will zurück in die USA zu seiner Geliebten Jennifer, einer reichen Geschäftsfrau, deren Familie als Förderin von Kunst und Kultur auftritt. Isaac Hernández und Jessica Chastain spielen dieses ungleiche Paar, dessen Affäre längst zum zynischen, sadomasochistisch aufgeladenen Kräftemessen verkommen ist. DREAMS zeigt ein Amerika und eine Klassengesellschaft, die den Fremden zum erotischen Fetisch degradiert. Unter vorgespielter Wohltätigkeit lauert die Lust an der Unterwerfung, und Franco zeigt das in seinem gewohnt nüchtern beobachtenden Stil. Er inszeniert seine Figuren oft in starren, distanzierten Einstellungen von klinischer Kühle. Privat- und Geschäftsräume sind in ihrer abstoßenden Tristesse kaum zu unterscheiden. Im sexuellen Akt lassen sich die ungleichen Machtverhältnisse, Privilegien und (Un-)Freiheiten nie verleugnen.

Dazu manipulieren die erzählerischen Auslassungen zwischen den Szenen geschickt das Publikum, um erst nach und nach die Tragweite der fragwürdigen Lage zu enthüllen, in der sich die Charaktere wiederfinden. Und mit jeder Minute und Wendung dieses scharf beobachteten Films wird der Abgrund der Beziehung tiefer – bis zum konsequent garstigen Schlußpunkt.

[ Janick Nolting ]