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Factotum

Vom Leben als Suche im Dunst

Es ist wie eine Rückkehr. Die des Matt D. beispielsweise, der in diesem lakonischen Porträt eines Glücksritters eine verblüffende Leistung darbietet, wie er es in seiner wechselhaften Karriere allenfalls recht früh tat, nach seinen ersten Schritten als denkwürdiger Teenie-Star, damals, in den späten 80ern, nämlich in Gus van Sants DRUGSTORE COWBOY. Trotzdem stand er bei Publikum und Kritik seitdem eher in schattigen Gefilden.

Es ist aber auch die Rückkehr des Charles B., den manche für nicht mehr zeitgemäß, zwar noch irgendwie lesbar aber eben ohne aktuelle Relevanz schon abschrieben. Zu früh wohlgemerkt, bei beiden Herren, denn Bukowskis nun für die Leinwand adaptierter Roman ist als Goldgräber-Story Kino in extra-prall, und Dillon - wie gesagt - spielt den etwas angegammelten Schriftsteller Henry Chinaski exakt so, wie man eine derartige Type spielen muß. Hank, so der nur zu passende Kurzname des Literaten auf Umwegen, hat sein Weltbild klar abgesteckt: Frauen mit was ordentlich unterm Blüschen, Fusel, Rauchware, Wettspiele und seine Literatur. Ganz logisch, daß trotz bisweiliger Glückssträhnen beim Schreiben, beim Pferderennen und auch auf dem Laken nicht nur der Charakter, sondern dauerhafter Glanz irgendwann auf der Strecke bleiben. Filzläuse, schwerer Kopf und aufregende Geldbeschaffungsmaßnahmen wie das Sortieren von Salzgürkchen auf dem Fließband sind eher symptomatisch für den alternden Strohmer als fernschweifiges Aus-dem-Fenster-in-die-Welt-Sinnieren, wie es Literaten zu gern spielen.

Mit fast stillem und dabei so fiesem Humor erzählt Bent Hamer von einem kuriosen Menschen, der eigentlich nur ein einziges, klitzekleines Problem hat, welches er als solches naturgemäß nicht empfindet: er will keine Verantwortung übernehmen. Hank ist so einfach wie Mensch sein kann, klar, schon mit künstlerischem Talent, doch ansonsten eher einer, der sich von Instinkten und Durstgefühlen leiten läßt. Die reine Ratio hat im Dunst aus Striptease-Kneipen und Sauf-Rauch-Gelagen nicht den Hauch einer Chance. Hank entscheidet einfach, ob es sich gut anfühlt oder eben nicht. Vielleicht ist es aber gerade Hank, der den Nihilismus dieser Welt entlarvt und sich daran hält. Hat vielleicht er den Schlüssel gefunden?

Herrlich ist es auf jeden Fall, so eine Type zu beobachten, das rührt auch an, keine Frage. Vor allem aber ist es so ein bissel wie Zoobesuch. Bleibt zu klären, wer aus dem Käfig schaut und wer rein ...

Originaltitel: FACTOTUM

USA/D/Norwegen 2005, 93 min
Verleih: Pandora

Genre: Literaturverfilmung, Schräg

Darsteller: Matt Dillon, Lily Taylor, Marisa Tomei

Regie: Bent Hamer

Kinostart: 08.12.05

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.