Originaltitel: GORGONÀ
Griechenland/F 2025, 95 min
Verleih: Neue Visionen
Genre: Drama, Science Fiction, Schräg
Darsteller: Melissanthi Mahut, Aurora Marion, Christos Loulis, Kostas Nikouli
Regie: Evi Kalogiropoulou
Kinostart: 18.06.26
Erinnern wir uns kurz an die griechische Mythologie: Die Gorgonen waren einst drei monströse Schwestern, von denen die bekannteste – Medusa – alle Menschen zu Stein erstarren ließ, die sie erblickten. Später schlug ihr der Recke Perseus das schlangenbekrönte Haupt ab. Diesen Mythos wirft die griechische Filmemacherin und Künstlerin Evi Kalogiropoulou zusammen mit einer deftigen Ladung Endzeit-Dystopie und viel zeitgenössischem Feminismus-Gewürz in den Mixer und rüttelt alle Zutaten kräftig durch. Mit den Verflechtungen zwischen Mythologie, Patriarchat und Feminismus hat sich die Regisseurin schon in ihren Arbeiten im Bereich der bildenden Kunst auseinandergesetzt. Allerdings geht dieses komplexe Gemisch in ihrem Langfilmdebüt nicht immer auf, da sie die mythologischen Motive teils zu plakativ verwendet. Auch bestärkt ihre Inszenierung eher konventionelle Körperbilder, statt sie zu hinterfragen.
In einer nicht allzu fernen Zukunft ist Griechenland wie in grauer Vorzeit wieder in rivalisierende Stadtstaaten zerfallen. Die Macht hat, wer das Öl kontrolliert. Doch selbst die Mächtigen leiden unter Lebensmittelknappheit, weil die Umwelt verseucht ist. Nichtsdestotrotz präsentiert sich das gesamte Personal des Films wohlgenährt in knapp sitzenden Outfits. In dieser Welt gilt, wie könnte es anders sein, das Recht des Stärkeren. Auch die Mann-Frau-Beziehungen haben ein paar Rückwärtsrollen eingelegt: Frauen sind für die Versorgung zuständig, dienen als Tauschgut und sind überhaupt nur zum Spaß der Männer da. Die Herren der Schöpfung herrschen, kämpfen und ballern in der Gegend rum.
Auf dem Thron sitzt der Ultra-Macho Nikos. Weil seine Gesundheit schwächelt, gilt es, einen würdigen Nachfolger auszuwählen. Aus der testosterongepimpten Jungmännerhorde potentieller Kandidaten sticht die taffe Maria als einzige weibliche Bewerberin heraus. Sie will die Männer mit ihren eigenen Waffen schlagen. Doch Marias Selbstverständnis wird erschüttert, als sie sich in die sinnliche Sängerin Eleni verliebt.
GORGONÀ ist wildes Kino, hebt sich in seiner Comic-Ästhetik wohltuend ab vom üblichen und gefällt durchaus als wenn auch etwas grob geschnitzte Parabel auf die bestehenden Geschlechterverhältnisse und die daraus folgende weibliche Emanzipation. Positiv fällt auch die die Lust an der Übertreibung auf, weshalb man dem Film durchaus einen gewissen trashigen Charme und beachtliche Schauwerte attestieren kann.
[ Dörthe Gromes ]