Originaltitel: H IS FOR HAWK

GB/USA/Singapur 2025, 114 min
Verleih: DCM

Genre: Drama, Literaturverfilmung

Darsteller: Claire Foy, Brendan Gleeson, Lindsay Duncan, Josh Dylan, Denise Gough

Regie: Philippa Lowthorpe

Kinostart: 23.07.26

H wie Habicht

Finden Sie Mabel!

Im Grunde ist auch das ein Vater-Tochter-Film. Mit Tieren. Und wie so oft im Leben entwickeln sich die entscheidenden Dinge erst nach einem tragischen Ereignis, bekommen Fahrt, neue Richtungen. Die „auf der Insel“, die Briten und Iren und Schotten, können es im Kino in besonderem Maße und mit besonderer Güte zeigen. Claire Foy und Brendan Gleeson, übernehmen Sie!

Helen Macdonalds Vater Alisdair ist Fotojournalist in einer Art Ruhestand. Früh hat sie durch ihn gelernt, die Natur zu mögen und tiefer in ihre Geheimnisse einzudringen. Mit 12 bekam sie gar ihren ersten eigenen Falken. Sieht Helen noch als erwachsene Frau einen Habicht oder zwei, ruft sie Dad sofort an, wo sie als Wissenschaftlerin längst schon in Cambridge unterrichtet. Genau so fühlt sich Vertrautheit an. Der plötzliche Tod des Vaters reißt Helen, sinnbildlich gesprochen, die Flügel aus. Wochenlang verfällt sie in Lethargie und marmorierte Erinnerung. Bis sie, auch das eher sinnbildlich, Mabel findet. Stuart, ein befreundeter Greifvogelzüchter, ahnt, daß die Idee, sich einen jungen Habicht anzuschaffen, eher Helens Umgang mit der Trauer dienen könnte, doch sie bleibt stur. Wie auch beim Kauf des Jungtiers. Das aus Kiste 1 soll es sein und zwar nur das.

Helens Boyfriend ist längst entsorgt, ab sofort gibt es nur noch Mabel und sie. Was heißt: Beobachten, Füttern, Abrichten. „Mabel ist nicht mein Haustier“, sagt Helen, „sie ist meine Jagdpartnerin.“ Helen wird sich auch gegen Vorwürfe zu verteidigen wissen, in Mabel das Töten zu forcieren, würde aus Spaß geschehen. Helen nennt es Teilhabe. Doch spätestens hier merkt sie, daß ihr das Leben entgleitet. Sie zieht sich komplett zurück, konzentriert sich obsessiv auf Mabel, ihre Mutter wird sagen, sie verwildere. Und die Rede auf Daddys Gedenkfeier ist noch längst nicht gesprochen.

Regisseurin Philippa Lowthorpe hält sich in ihrer Inszenierung von H WIE HABICHT konsequent an die 2014 in Buchform erschienenen Memoiren der echten Helen Macdonald. Größten Wert legt sie dabei auf das gemeinsame „Spiel“ von Mensch und Tier in Räumen und draußen im Freien, wobei Foy speziell bis zur ersten Klappe, aber auch danach, eine respektable Leistung als Habichtspartnerin vollbringt. Es ist eindrucksvoll, bislang so noch nicht gesehen und kompensiert mühelos einige Hänger in der Dramaturgie von Helens Alltag. Ohne Mabel.

[ Andreas Körner ]