Originaltitel: HOTEL TRANSYLVANIA

USA 2012, 91 min
FSK 6
Verleih: Sony

Genre: Computeranimation, Erwachsenwerden, Komödie

Stab:
Regie: Genndy Tartakovsky
Stimmen: Rick Kavanian, Josefine Preuß, Elyas M’Barek

Kinostart: 25.10.12

2 Bewertungen

Hotel Transsilvanien

Coming Of Age als monströser Spaß

Wir schreiben das Jahr 1895. Ein Vater kümmert sich liebevoll um sein Töchterchen; da Mutter früh verstarb, zudem alleinerziehend. An sich nix Ungewöhnliches, doch jetzt der Kniff: Papa ist Graf Dracula, und Mama wurde von den Dorfbewohnern ermordet. Wer könnte es dem Vampirhäuptling da verübeln, daß er Sprößling Mavis trotz Reisewunsch nicht ziehen läßt, sondern im titelgebenden Hotel einschließt, einer gern besuchten Luxusherberge für Gruselgestalten aller Art?

Zeitsprung. Mavis feiert ihren 118. Geburtstag, eine Party lockt, von Frankenstein über die Hydra bis zur Werwolf-Großfamilie – mit schon wieder schwangerer Matriarchin – reist jeder an, der Rang und Namen hat. Die nun stark pubertierende Jubilarin will allerdings mehr erleben als Schädel-Bingo oder Scharade. Da trifft’s sich gut, daß Twen-Rucksacktourist Jonathan den brennenden Zombies folgte und die Feier aufmischt, denn Monster wissen: Menschen sind extrem gefährlich!

Erwartungsgemäß paßt sich das Ganze in schickem 3D sowie oft wahnwitzigem Tempo, was Wort und Bild betrifft, modernen Gewohnheiten an, obwohl unsereins ja auch ohne derartige Gimmicks und Hektik zum erwachsenen Kinofreund gedeihen konnte. Aber solch’ Kritikanflug bloß nebenbei, denn ansonsten bereitet die Mär einige Freude. Zu jung sollten die Besucher angesichts mancher ansatzweise fiesen Szene zwar nicht sein, aber ältere Kinder plus Eltern ergötzen sich neben Furz-Witzen (hier ein Gähnen einfügen) an allerlei wirklich tollen Ideen, zum Beispiel auf blonde Verwesung stehenden untoten Bauarbeitern, einem überarbeiteten Werwolf inklusive süßem Nachwuchs oder jeder Menge schräger Monstrositäten. Obendrauf thront die zeitlose Botschaft vom Tolerieren, verpackt unter einer Extraschicht rührender erster Liebe, schrill animiert und bis zur kleinen Nebenrolle superb synchronisiert. Insgesamt also nicht gerade neu, doch Spaß macht’s.

Was, weil die Größe halt tatsächlich wenig zählt, ganz klar eben auch an Mini-Gags liegt. Man achte unter anderem auf Quasimodos angesichts entschlossener Erschreckungsversuche nur schwer ermüdet quiekendes Schoßtierchen Esmeralda (!) – hysterisches Lachen sehr wahrscheinlich. Und wer beispielsweise schon immer wissen wollte, welche Haarfarbe der Unsichtbare Mann hat, für den führt eh kein Weg drum herum, sondern mitten rein in dieses launige HOTEL TRANSSILVANIEN.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...