D 2026, 95 min
Verleih: X Verleih
Genre: Drama
Darsteller: Corinna Harfouch, Hildegard Schmahl, Carla Juri, Samuel Finzi, Nina Kunzendorf
Regie: Jutta Brückner
Kinostart: 13.08.26
Die burschikose und beruflich erfolgreiche Archäologin Ursula arbeitet an einem Sensationsfund, der ihr angeschlagenes Institut retten könnte: eine weibliche Moorleiche. Parallel legt sie im Haus ihrer kürzlich verstorbenen Mutter die Schichten ihrer eigenen Vergangenheit frei. Starb die demente Mutter an einer Überdosis Tabletten, am Alter oder am Leben? Ursula plagt sich mit Schuldgefühlen und den Geistern der Vergangenheit, während sie die Besitzstände ihrer Mutter ordnet. Gleichzeitig kämpft sie mit einer Dauerbaustelle an ihrem Institut, Universitätsintrigen und aufmüpfigen Studenten. Der älteren Frau steht die eigenwillige Assistentin Mel zur Seite, die Ursula durch ihre unkonventionelle Art aus ihren eingefahrenen Gleisen bringt und ihre Gedankenspiralen durchbricht.
IM SPIEGEL MEINER MUTTER ist der Abschluß einer Jahrzehnte umspannenden Trilogie der nun 85jährigen Autorin und Filmemacherin Jutta Brückner über das komplexe Verhältnis von Müttern und Töchtern. Es fallen harte Sätze wie: „Manche Mütter lieben nur sich selbst in ihren Kindern.“ Mißbrauch hat viele Facetten, auch wenn er nicht immer als solcher benannt wird. Ursula hat der totalitäre Besitzanspruch ihrer Mutter bis ins Erwachsenenalter die Luft abgeschnürt. Ihren Tod empfindet sie als Befreiung. Leben und Tod zugleich verkörpern auch die uralten Mutterfiguren, die Ursula in ihrer Arbeit analysiert.
Brückner ist ein vielschichtiger, symbolisch hochaufgeladener Film gelungen, der die Rolle von Frauen in der Gesellschaft reflektiert: den Preis des Mutterseins, die unerfüllbaren Erwartungen, die Kämpfe der verschiedenen Generationen, das Angsthaben, im gleichen Gefängnis zu landen wie ihre Vorgängerinnen. Vergangenheit und Gegenwart, Reales und Erdachtes vermischen sich im Fortschreiten der Handlung immer stärker, bis es schließlich in einer Art des Traumwandelns endet. Erinnerungen erweisen sich als unzuverlässig, und die Vergangenheit bietet immer mehrere Interpretationsmöglichkeiten. Daß dieser stille und bildstarke Film so fesselt, verdankt er auch seinen großartigen Schauspielerinnen. Corinna Harfouch, Hildegard Schmahl und Carla Juri verkörpern drei Generationen von Frauen, die für sich jeweils ganz eigene Antworten auf die feministische Frage nach Freiheit und Selbstbestimmung finden.
[ Dörthe Gromes ]