D 2024, 88 min
FSK 0
Verleih: déjà-vu

Genre: Dokumentation, Biographie, Musik

Regie: Günter Atteln

Kinostart: 16.05.24

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Joana Mallwitz – Momentum

Im Takt und auf dem Boden

Erstmals dirigieren 2024 in Bayreuth mehr Damen als Herren, es steht 3:2. Daraus eine froh kündende Nachricht zu kreieren, hat einerseits Berechtigung: Dirigenten dominieren unverändert das Pult. Andererseits jedoch einen Pferdefuß: Explizite Geschlechtserwähnung sollte verzichtbar sein, weil irrelevant, es röche quasi nach wider echte Gleichstellung patriarchisch-kopftätschelnd hinterhergeworfenem Frauenbonus. Ebenso obsolet wie verordnete Quoten; die oder der Beste muß die Stelle kriegen, Punkt.

Auch Joana Mallwitz schließt kurz basisgenervt die Augen, als im Vorgespräch zum Interview der Begriff „Männerdomäne“ fällt; später findet Berlins tatsächlich erste je berufene Chefdirigentin klare Worte zum Sachverhalt. Hat sich bis dato schon längst aus dem Genderkorsett geschält, während sie ohne Brüche einnehmende Herzlichkeit und anspruchsgeleiteten Ehrgeiz paarte. Statt fachlich detaillierter Durchdringung tangiert vorliegendes Porträt Mallwitz’ Arbeitsweise dabei zwar eher, aber ganz ehrlich: Gibt es uninteressantere Gegenüber als bloß ihren Job umkreisende Monothematiker?

So darf die gefeierte Dirigentin hier zum dreidimensionalen Charakter wachsen, vom hilfreich uneitel zurückgenommenen Partner – selbst Tenor – unterstützte Mutter und ein wenig schnellatmig-aufgeregt zum Publikum sprechende Meiderin großer Menschenmengen sein. Eine Teamplayerin, manchmal gar demütig, welche konsequente Bodenhaftung zu relevanter Stärke umformt. Es hallt überhaupt nichts Manieriertes vorbei, wenn Mallwitz wegen Zeitmangels die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes absagen will. Oder, keine Lust auf aus der Fokussierung reißende Ablenkung spürend, vor Salomes energiegeladen zu Gehör gebrachtem Schleiertanz mal eben Markus Söder freundlich den wohl eigentlich obligatorischen Smalltalk verweigert (sein irritierter Blick: pures Gold). Irgendwie verbiegen, vielleicht bei 08/15-Fragen erwartete antworttechnische Standards runterbeten? Danke, nein. Getreu dem Motto: „Am Ende ist die Echtheit – und auch das Suchen ist etwas Echtes – immer stärker.“

Mallwitz’ Könnerschaft sowie oft ungefiltert scheinende Authentizität, ob beim hingebungsvollen Proben, öffentlichen Kommunizieren oder fast anrührenden Sich-Verabschieden, bewahren ein gemeinschaftliches Erfolgsgeheimnis. Und führen dazu, daß man mit ihr wirklich gern den Abend verbringt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...