D 2026, 125 min
Verleih: Weltkino
Genre: Tragikomödie
Darsteller: Corinna Harfouch, Lea Drinda, Karoline Eichhorn
Regie: Pauline Roenneberg
Kinostart: 17.09.26
Auch Hermann ist kalt. Fast so kalt wie seine süße Lieblingsspeise, die ihm Zweitfrau Marianne schon zubereitet hat. 100 wäre er heute geworden, die Blaskapelle der Gemeinde hat fleißig geübt, den Bürgermeister treibt der Appetit aufs Schnäpsli herzu, die Kinderlein kommen, und die Enkelin, bald 18, ist bereits vor Ort. Wie eine vietnamesische Hausangestellte. Doch Hermann hat eine Packung Barbiturate intus, die eigentlich dem Mops zur Ruhe verhelfen sollen und nicht dem Herrchen zur ewigen. Sieht nach Suizid aus.
Anstatt den Jubilar zu herzen, geht es also in den kommenden Tagen um das, was von ihm geblieben ist. Um Sippenkraft und Erbenscherben, nicht ganz so gut gehütete Geheimnisse, ums Vertuschen und Verstecken, Aufdecken und Zudecken, um Familienaufstellungen, Bissig- und Biestigkeit. Das Kino kann tiefschwarz getränkte Lieder mit Refrains voller Humor davon singen, KALTER HUND liefert eine nächste Strophe.
Es ist das Langfilmdebüt von Pauline Roenneberg, und es beginnt eine halbe Stunde lang furios. Bis sich das lustvolle Ensemble um Corinna Harfouch unter gegebenen Umständen situativ umschwirrt und zum Leichenschmaus eingefunden hat, sind erste verbale Fetzen geflogen und böse Blicke getauscht. Schade indes, daß die aufs Ensemble fixierte Handlung in ihrer Ruhe und Gelassenheit den Biß nicht halten kann, mehr und mehr zerfasert und sich in den nahen Wäldern der Patriarchen-Residenz mit angeschlossenem Gnadenhof verläuft. Oder oben auf dem Berg, wo die geschlossene (Nazi-)Gesellschaft Symbole feiert. Es ist an Enkelin Fanny, das Geschehen immer wieder einzufangen. Sie ist eben noch nicht abgebrüht genug.
[ Andreas Körner ]