Originaltitel: MOSCAS

Mexiko 2026, 99 min
Verleih: Piffl

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Teresita Sánchez, Bastián Escobar, Hugo Ramirez

Regie: Fernando Eimbcke

Kinostart: 22.10.26

Moscas

Die Kunst der Einfachheit

So sieht es manchmal aus, was übrigbleibt von den Versprechungen des Lebens: ein kleines Appartement in einem anonymen Sozialbau. Nachbarn, die man nicht kennt, obwohl man sie, zumal beim Sex, ständig hört. Tage, die in Monotonie dahingehen. Ein Dasein, durchtränkt von Einsamkeit und Verbitterung und alles vehement abwehrend, was einem zu nahe kommt. Gilt selbst für die Fliegen in der Wohnung, die Olga mit schon pathologischer Verbissenheit jagt. In MOSCAS ist Olga die bärbeißige Antiheldin von der traurigen Gestalt. Eine Verlassene, die wohl auch deshalb keinen Menschen mehr an sich heranläßt, weil ein nochmaliger Verlust nicht auszuhalten wäre. Und doch nimmt Olga mit Tulio und dessen 9jährigem Sohn Cristian zwei Untermieter auf. Notgedrungen, aus finanziellem Pragmatismus. Und ja, auch nur vorübergehend. Aber dann natürlich doch mit Folgen.

Regisseur Fernando Eimbcke erzählt in MOSCAS weder eine besonders aufregende noch besonders originelle Geschichte. Geht es doch mal wieder darum, wie ein verschlossener Mensch, Olga, sich wieder zu öffnen beginnt. Und natürlich ist dieses Kind, Cristian, dafür der emotionale Schlüssel. Und das wiederum, weil die krebskranke Mutter des Jungen in jenem Krankenhaus liegt, auf dessen triste Fassade man direkt aus Olgas Fenstern blicken kann. Und klar: Wie für die meisten Kinder gehört auch für Cristian zu den ganz selbstverständlichen Versprechungen des Lebens, daß alles gut wird. Olga freilich weiß es besser.

Nein, aufregend ist MOSCAS nicht. Muß und will es nicht sein. Die schmucklosen Schwarzweiß-Bilder in geduldigen Einstellungen, die nüchternen Settings, der ökonomische Umgang mit den Emotionen (bloß nicht übertreiben!) – all das spielt geradezu mit dem Erwartbaren und frönt gezielt jener Art erzählerischer Einfachheit, von der man freilich weiß, daß sie mitnichten so einfach zu erreichen ist. Fallen doch gerade hierbei Details umso stärker ins Gewicht. Kleine Blicke und Gesten, das trostlose Stilleben eines Kekstellers auf dem Couchtisch, die nervige Fliege auf dem Computerbildschirm, die Menschen, die kurz die Handlung streifen und wieder verschwinden. MOSCAS verdichtet das zu einer stillen inneren Spannung, ob der man ahnt, wie das alles ausgehen wird – und zugleich hofft, daß man sich irrt. Beides aus gutem Grund!

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.