D 2025, 81 min
Verleih: UCM.One
Genre: Drama, Erwachsenwerden
Darsteller: Bella Lochmann, Pola Geiger, Rio Kirchner
Regie: Sorina Gajewski
Kinostart: 18.06.26
Gibt es einen Zwang zum Optimismus, zur Tüchtigkeit und zur Weltrettung? Was macht es mit denen, die unter einem solchen Erwartungsdruck aufwachsen, während sich alles ringsherum rapide verändert? Sorina Gajewski antwortet allem Lamentieren über die ach so faule, bequeme Jugend von heute mit einem einfühlsamen Generationenporträt. Oder zumindest mit einer filmischen Stimmung, einem Vibe.
Ramona und Nico haben gerade ihre schulische Laufbahn beendet und stehen nun vor einem unklaren Lebensabschnitt. Im hitzigen Berliner Sommer irren sie durch die Großstadt. Die Suche nach einem entflohenen Vogel aus der Nachbarschaft gibt zaghaft Anstoß, um zwischen Resignation, Verdrängung, Weltschmerz und dem Zwang, unbedingt etwas produktiv aus sich machen zu müssen und in die Zukunft zu schauen, umherzuschweifen. Während auf den Straßen gegen die Klimakatastrophe protestiert wird, regiert anderswo die Frage, was all das noch wert sein soll. Warum ist es verpönt, in einem gewissen Stadium des Lebens einfach nur auf der absoluten Gegenwart, einer gewissen Nichtigkeit von allem oder einem Stillstand zu beharren, der sich doch nur als Hirngespinst entpuppt?
NULPEN paßt sich mit seiner verfahrenen Erzählweise und seinen drückenden Sommerbildern dem Geist und der Atmosphäre rund um die Hauptfiguren an. Er wird politisch, welcher Rahmen jungen Menschen gebaut oder geraubt wird, selten konkret. Dafür verläßt er sich zu sehr auf das diffuse Abschweifen und Palavern seiner Charaktere. Als Ausdruck eines Lebensgefühls in einem Klima, das gerade wenig Perspektiven bereitet, aber umso mehr von Jugendlichen verlangt, entwickelt NULPEN dennoch eine beachtliche Brisanz und Sogkraft.
[ Janick Nolting ]