Originaltitel: LA BONNE ÉTOILE
F 2025, 104 min
Verleih: Lighthouse
Genre: Tragikomödie, Historie
Darsteller: Benoît Poelvoorde, Audrey Lamy, Pascal Elbé, Zabou Breitman
Regie: Pascal Elbé
Kinostart: 10.09.26
Die Weisheit liegt in den Binsen, und eine davon besagt, daß Filme immer auch Kinder ihrer Entstehungszeit sind. Insofern darf es schon ein wenig verwundern, daß NUR EIN KLEINES BISSCHEN GLÜCK justament heute so aussieht, wie er aussieht, so unsicher in den Tonlagen schwankt, wie er schwankt, so im harmlosen Klischee verharrt, wie er verharrt. Der Trailer jedenfalls verspricht schon seit geraumer Kinozeit eine Art Komödie hinter Weltkriegsfolie. In Echtzeit sieht es gar schlimmer aus.
Jean Chevalin ist ein Schlitzohr. Er war es als Zivilist und ist es bei der französischen Armee. Ein einziger Tag im Jahr 1940 genügt ihm, um zu desertieren und sich bei Frau und Sohn als tapferer Heimkehrer feiern zu lassen. Zumindest Madame Chevalin macht da nicht mit, sie kennt ihren Jean, weiß aber, daß er alsbald eine nächste verrückte Idee aus dem Hut zaubern wird. Er, der wirklich Zauberer ist. Siehe da: Als Jean davon hört, daß jüdischen Familien heimlich beim Untertauchen geholfen wird, wechseln er und seine Familie kurzerhand die Identität. Aus den Chevalins werden die Chevalovichs, aus Jean wird
Joseph, aus dem gewieften Zauberkünstler ein Kollaborateur, jedenfalls einer, der sich eher stolpernd als solcher ausgibt und durchzuschlagen weiß. Harmlos gewinnt, frech obsiegt und alles für das Gute!
Regisseur Pascal Elbé will, sagt er selbst, daß sein Film unterhält und zum Nachdenken anregt. Mit beiden Zielen hat er sich verhoben. Viel mehr als ein heikles und gefühliges und historisierendes Karikaturenkabinett kam leider nicht dabei heraus. Und das ist am Ende ärgerlich. Heute, im Jahre 2026.
[ Andreas Körner ]