Originaltitel: VIE PRIVÉE

F 2025, 105 min
Verleih: Plaion

Genre: Krimi, Komödie

Darsteller: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric, Vincent Lacoste

Regie: Rebecca Zlotowski

Kinostart: 16.04.26

Paris Murder Mystery

Eine Amerikanerin in Paris

Ein Ketzerspruch über die Psychoanalyse unterstellt dieser, sie würde die Ostereier ihrer Erkenntnisse immer dort finden, wo sie sie selbst versteckt habe. Unbewußt, natürlich. Als würde der Vorgang der Verdrängung, also des Versteckens, einer Seelenmechanik entsprechen, die vor allem deshalb existiert, um sich auf die Suche begeben zu können, um dem eigenen Ego die Freude machen zu können, Geheimnisse dort zu lüften, wo eigentlich ja gar keine sind.

Die Amerikanerin Lilian Steiner arbeitet schon viele Jahre als Psychoanalytikerin in Paris. Ihre professionelle Distanz hat dabei inzwischen einen Grad erreicht, der mitunter frostige Züge trägt. Doch bekommt Lilians Distanziertheit Risse, als sie vom plötzlichen Tod ihrer Patientin Paula Cohen-Solal erfährt. Spontan beschließt Lilian, bei der Totenwache der jüdischen Familie vorbeizuschauen – und verursacht damit einen Eklat. Reagiert Paulas Ehemann Simon doch mit höchster Feindseligkeit auf die Therapeutin. Aus gutem Grund. Das starke Beruhigungsmittel, mit dem Paula sich tötete, hat Lilian ihr verschrieben. Und ganz abgesehen davon, daß Psychoanalytiker in Frankreich zu solchen Verschreibungen gar nicht befugt sind, steht Lilian nun auch vor der Frage, warum sie trotz aller beruflichen Erfahrungen nicht erkannt hat, daß Paula selbstmordgefährdet war. Aber halt mal … Vielleicht, so sinniert Lilian, war das Paula ja auch nicht. Und der Suizid ist gar keiner gewesen. Und Simons Reaktion entspringt ganz anderen Gründen als denen eines Verlustschmerzes …

Was Lilian sich in Folge ausmalt, läßt der Titel PARIS MURDER MYSTERY ahnen. Daß der an Woody Allens MANHATTAN MURDER MYSTERY erinnert, ist freilich kein Zufall. Nur sollte man jetzt mit analytischen Schlußfolgerungen vorsichtig sein. Denn so sehr auch Rebecca Zlotowskis Film Züge einer launigen Amateurdetektiv-Komödie im jüdisch-großstädtischen Intellektuellenmilieu trägt, ist er doch weit schwerer zu verorten als sein amerikanisches Pendant. PARIS MURDER MYSTERY funktioniert weit assoziativer, legt Fährten in einem gezielt sprunghaften Erzähllabyrinth, in dem sich Türen zu jüdischen Traumata ebenso öffnen können wie zu Eltern-Kind-Beziehungen oder verbockten Ehen. Und in dem Lilian (hinreißend schroff: Jodie Foster) etwas finden wird, was sie allzu lange schon vor sich selbst versteckt hat.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.