Originaltitel: POWER BALLAD

USA/Irland 2026, 98 min
Verleih: Leonine

Genre: Tragikomödie, Musik

Darsteller: Paul Rudd, Nick Jonas, Marcella Plunkett, Havana Rose Liu

Regie: John Carney

Kinostart: 25.06.26

Power Ballad

Freundlich, fluffig, irisch

John Carney ist Regisseur und Drehbuchautor. Zudem Musiker und Ire. Und so geht es in den Filmen von ihm, wenn auch nicht immer, so aber doch oft, um Musik und Musiker in Irland. Auf des Regisseurs filmischer Setlist finden sich dabei großartige Arbeiten wie SING STREET und, wohl am bekanntesten, der hinreißende ONCE. Beides Filme, die recht effizient diesen ganz bestimmten, sich „typisch irisch“ gebenden Herzen-auf-dem-rechten-Fleck-Nerv bedienen. Und dabei weder die süßliche Prise Sentimentalität noch die kräftige Portion Bodenständigkeit scheuen.

Ist in Carneys neuem Werk POWER BALLAD nicht anders. Erzählt wird vom nicht mehr ganz taufrischen Musiker Rick Power (ja, heißt so!). Die Träume vom Starruhm hat Rick weitgehend ad acta gelegt. Aber hey, es ist okay. Rick hat eine tolle Frau und eine tolle Tochter, und mit der Hochzeitsband The Bride & Groove (ja, heißt so!) tingelt er durch die irischen Lande. Und nur manchmal überfällt ihn dabei noch die alte Sehnsucht. So etwa bei einer Hochzeitsfeier in einem schnieken Schloß, bei dem auch das einstige und inzwischen etwas ins Straucheln geratene Teenie-Boygroup-Idol Danny Wilson zu Gast ist. Rick und Danny verstehen sich gut, treffen sich späterhin abseits des Hochzeitstrubels auf so einige Drinks. Tauschen Erfahrungen und Ideen, spielen sich auf Gitarre und Piano ein paar ihrer Songs vor und gehen irgendwann hackedicht und in freundlichem Einvernehmen wieder auseinander. Bis Rick einige Zeit später diesen Song durch eine Shopping Mall hallen hört: „How To Write A Song (Without You)“ heißt das Sangesrührstück, mit dem Danny gerade einen Hit gelandet und sein großes Comeback eingeleitet hat. Dumm nur, daß der Song, diese „Power Ballade“, eigentlich von Mr. Rick Power ist.

Wem gehört die Kunst? Dem, der sie schafft – oder dem, der sie zu verkaufen weiß? POWER BALLAD erzählt davon, was ein Song bedeuten kann. Fürs Leben, für Menschen und über Verkaufszahlen hinaus. Eine Ballade ist der Film freilich nicht, eher ein charmant schunkelnder Walzer. Drei Strophen (Akte) im Dreivierteltakt, eingängig und einnehmend, freundlich und fluffig. Mindestens für leichte Sommerkinoabende bestens geeignet.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.