D 2026, 104 min
FSK 12
Verleih: Salzgeber
Genre: Dokumentation, Musik
Regie: Lutz Pehnert, Ferdinand Hübner
Kinostart: 30.04.26
Spannend wird es im Sommer. Dann bringt Lutz Pehnert KOMMUNIST ins Kino, (s)einen Dokfilm über Egon Krenz. Er könnte das packen! Gepackt hat er schon BETTINA über die Liedermacherin Bettina Wegner und zahlreiche thematische Porträts, sehr gern mit konstant aufploppenden „Ostthemen.“ SCHERBENLAND geht nach und bleibt in Berlin, ist also ein Grenzgang, nicht nur territorial. Die geteilte Archivhauptstadt ersteht auf mit Kindertag 1979, Hausbesetzung 1981, Straßenkampf am 1. Mai, Ton Steine Scherben. Es gibt natürlich auch die heutige Hauptstadt, vor allem die. Ein Berlinfilm? Eher ein Bezirksfilm. Kreuzberger Nächte sind noch immer lang.
Rio Reisers Lieder nennt Pehnert „die Untoten von Kreuzberg.“ Wie diese Musik heute funktioniert, was sie erzählt, was sie bewirkt, wollte er herausfinden. Rio, vor drei Jahrzehnten gestorben, marmoriert diesen Film, er wird nicht seziert, analysiert, vom Himmel geholt. Die junge Band RAPK, Kreuzberg Inside, und die Singer-Songwriterin Maike Rosa Vogel, zugezogen, genügen als zeitgenössische Protagonisten. Dadurch verwäscht sich das Zentrum nicht, weil sie authentisch und klug, frei nach Art der Schnauze ruppig oder tiefer lotend eher von sich erzählen. Speziell beim Rap-Trio bediente sich Pehnert (65 Jahre) der Dienste von Co-Regisseur Ferdinand Hübner (23 Jahre), was eine gute Entscheidung war.
Es gibt mehr davon: stringente Komposition am Schneidetisch, fotografische Ästhetik, Ruhepunkte, Untertöne. Und Vogel, die von Frankfurt/M. ins „Scherbenland“ kam, weil hier „die innere Freiheit größer ist als anderswo“, singt, was viele Kreuzberger fühlen: Ist gut, noch hier zu sein.
[ Andreas Körner ]
Kinobar Prager Frühling: 15:00
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