D 2025, 89 min
FSK 12
Verleih: UCM.One

Genre: Dokumentation

Regie: Jana Stallein

Kinostart: 03.09.26

Where The Waves Took Her

Mehr als Mitleid

Um das Thema Flucht und Seenot hat sich in den letzten Jahren eine ganze Gruppe an Filmen gebildet. Werke wie SEEFEUER, EINHUNDERTVIER oder 23.000 LEBEN haben nach Punkten gesucht, an denen sich Schicksale, Sehnsüchte und Heldengeschichten treffen, an denen sich eine eigene, verquere Normalität an den europäischen Grenzen und Übergängen zeigt.

Bemerkenswert an WHERE THE WAVES TOOK HER ist, daß dieser Dokumentarfilm nicht allein nach einer Empathie jenseits der Statistiken und Schlagzeilen sucht. Auch das ist ein offensichtliches Ansinnen, Ja! Jana Stallein begleitet hier eine Berliner Hebamme, die sich auf einem Rettungsschiff im Mittelmeer um geflüchtete Frauen und ihre (ungeborenen) Kinder kümmert. Aber darin steckt auch eine metafilmische Ebene, wenn es um die Grenzen und eine Diskretion des Vermittelbaren geht. Da scheint eine Skepsis zu herrschen, was die ohnehin verbreiteten Medienbilder noch ausrichten können, was ihre eigene konfrontative Qualität sein könnte.

Stallein verfremdet diverse Eindrücke von Rettungsaktionen zu verschwommenen, ruckelnden Gebilden bis hin zur völligen Abstraktion. Als würden sie sich in ihrer Darstellung auflösen, um über ihre Rahmung neu mit Bedeutung gefüllt und greifbar zu werden. In einem installativen, gefluteten Studio mit Projektionen im Hintergrund etwa, in dem Überlebende drapiert werden.

Sie erinnern sich an ihre Fluchterfahrungen. Stimmen legen sich über die Szenen, über teils gespenstisch anmutende Räume und Orte, aber auch über die beobachteten Arbeitsprozesse an Bord. Letztlich treten sie in den Dialog mit Gesten der Aufopferung.

[ Janick Nolting ]