D 2016, 102 min
FSK 0
Verleih: Camino

Genre: Dokumentation

Regie: Andreas Geiger

Kinostart: 23.02.17

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Die Gabe zu heilen

Menschen wie Du und ich?

Der Köbi sitzt am Tisch und malt ein gleichschenkliges Kreuz mit viel Gold. Das schenke ihm Kraft und Freude, sagt er und lächelt. Hellwache Augen, weißer Rauschebart – ja, so einem wie diesem Einsiedler von der Alm will man seine „Gabe“ schon aus Freundlichkeit gerne abkaufen.   

Jakob „Köbi“ Meile ist einer der Heiler, die Regisseur Andreas Geiger filmisch begleitet. Doch was beinhaltet diese „Gabe“ genau, woraus speist sie sich, und handelt es sich vielleicht nicht doch nur um Scharlatanerie? Geigers Dokumentation entfernt sich angenehm weit vom Esoterik-Image so mancher Erweckungsfilme, auch wenn der Filmemacher spürbar mit seinen Protagonisten sympathisiert. Alle schulmedizinisch Verwurzelten sollten es deshalb mit der Rezeption von DIE GABE ZU HEILEN genauso halten, wie es Stephan Dalley, Heiler aus Stuttgart, seinen Patienten rät: „Man wird von dem geheilt, an das man glaubt. Und glauben muß ja keiner.“ Nun ist es aber interessanterweise der Glaube, der zum unterschwelligen Thema des Filmes wird. 

Ojuna Altangerel staubt hingebungsvoll den Familienaltar ab. Täglich ehrt die aus der Mongolei stammende Schamanin und Allgemeinmedizinerin ihre Ahnen und betet. Auch Robert Baldauf findet die Kraft für seinen „Dienst an den Menschen“ durch tägliche religiöse Praxis und ruft seine zahlreichen Madonnen bei den Behandlungen um ihren Segen an. 

Dem Erstarken von religiösen Bezügen, die meist kritisch gelesen werden müssen, setzt dieser Film einfache, klare Menschen entgegen, die mit Empathie und Bodenhaftung ihre besonderen Fähigkeiten in die Welt tragen. Trotzdem stehen sie für die wachsende Sehnsucht, etwas Höheres, Tröstendes und Beschützendes zu finden. Ob die praktizierten Heilungen vor allem dadurch zustande kommen, daß sie sich die Zeit nehmen, Menschen richtig zuzuhören, sie berühren und ihnen einen Platz für ihre Trauer einräumen, sei dahingestellt. Geiger löst nicht auf, wie der dokumentierte Krankheits- oder Leidensprozeß weiter verläuft.

Er legt aber eine Fehlstelle offen, die in unserer säkularisierten Welt im Rausch des Alltags verschwunden ist, und regt zum Nachdenken darüber an, ob es eine Berührung höherer Ordnung braucht, um dieses Leiden zu mindern. Eine, die nicht nach Aufmerksamkeit heischt, sondern ganz natürlich da ist. Aber da sind wir wieder beim Glauben.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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