D/Mexiko 2014, 90 min
FSK 0
Verleih: Senator

Genre: Dokumentation, Musik

Regie: Doris Dörrie

Kinostart: 23.10.14

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Dieses schöne Scheißleben

Singen für den Seelenfrieden

Doris Dörrie erinnert sich ziemlich genau an ihre erste Reise nach Mexiko vor mehr als 30 Jahren. Auf offener Straße riefen ihr Männer mit glänzenden Hosen und großen Sombrero-Hüten hinterher: „Willst Du ein lustiges oder ein trauriges Lied?“ Die Straßenmusiker hatten Gitarren und Trompeten im Arm und begannen zu spielen. Seit knapp 200 Jahren bereichern die Mariachi die Kultur im Westen Mexikos. Dabei war das Musizieren lange den Männern vorbehalten, erst Mitte des 20. Jahrhunderts begannen auch Frauen, ihre Stimmen zu erheben. Über sie hat Dörrie nun einen Dokumentarfilm gedreht.

María del Carmen, schon als kleines Mädchen sang sie laut ihre Lieder. „Ihr kleiner Bruder begann immer zu weinen, wenn sie das tat“, erzählt ihre Mutter, die währenddessen dicken grünen Lidschatten auf die Augenlider ihrer Tochter aufträgt. María del Carmen bereitet sich gerade auf ihren nächsten Auftritt vor. In bunten Kostümen, mit viel Schminke und noch mehr Haarspray macht sie sich auf den Weg zum Plaza Garibaldi – dem Treffpunkt der Mariachi-Musiker in Mexiko Stadt.

Hunderte Musiker strömen täglich hierher und werben um Kunden, die ihnen ein paar Pesos pro Lied zahlen. „Du mußt fühlen, was Du singst,“ sagt María del Carmen. Ob es gut läuft, hängt vom Wetter ab und von der Anzahl der Musiker, die Trompete, Geige oder Mandoline spielen und sich den Erlös teilen. Auf öffentlichen Plätzen, Hochzeiten und Friedhöfen singen sie von verflossenen Liebschaften, vom Tod und vom Abschiednehmen, eben „ ... diesem schönen Scheißleben.“ Mariachi-Musik ist mit deutscher Volks- und Blasmusik mit ihren Tubas und den Heile-Welt-Texten nur vage vergleichbar, sie ist rauher und lauter und eben nicht so glattgebügelt.

Doris Dörrie fährt mit Musikerinnen durch die Nacht, besucht sie zu Hause oder begleitet eine der ersten Mariachi-Frauengruppen bei einem Auftritt. Die inzwischen betagten Damen, die vor 50 Jahren erstmals gemeinsam musizierten, erzählen von ihrer Liebe zur Musik, der Härte des Geschäfts und den im Land verbreiteten Machismo. Musiker kommen dabei allerdings kaum zu Wort. Auch verhakt sich der Film am Ende doch zu sehr in dem jährlich stattfindenden Totenfest. Dabei hätte der Einblick in Mexikos Musik-Tradition völlig ausgereicht, um das Land von einer bunten, lebendigen Seite zu zeigen.

[ Claudia Euen ]

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