Österreich 2010, 85 min
FSK 0
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation

Regie: Stefan Wolf

Kinostart: 04.10.12

1 Bewertung

Ein neues Wir

Vom Reiz des kleinen Fußabdrucks

L.O.V.E. Productions hat sich zum Ziel gesetzt, „ ... die Liebe in unser aller Leben wieder zu integrieren“. So steht es geschrieben. Stefan Wolf war, als er den Film begann, nicht wirklich Filmemacher, sondern einfach jemand, der einen guten Platz zum Leben suchte. Ein Jahr lang ging er mit wenig Geld, einer geliehenen Kamera und viel Enthusiasmus auf Europatour, um zehn verschiedene Experimentier-Formen des gemeinschaftlichen Lebens aufzusuchen. Unter den vorgestellten Modellen sind so bekannte Orte wie die Förderation Damanhur in Italien (unlängst auch in EMPIRE ME ins Bild gesetzt), welche mit ihren unterirdischen „Tempeln der Menschheit“ zur Touristenattraktion geworden ist, aber auch Kleinstgemeinschaften wie die Finca Tierra auf den Kanaren, die nur drei ständige Bewohner, aber viele interessierte Gäste zählt.

Auf der zweistündigen Reise erfährt man die rudimentären Eckdaten: Struktur, Bewohnerschaft, Finanzierung. In kurzen Interviews gibt es jeweils einen Einblick in die Lebensphilosophie nebst filmischen Ortsimpressionen. Gemein ist allen alternativen Ansätzen der Wille seiner Bewohner, einen Unterschied zu erschaffen – in geistiger, spiritueller und ökologischer Hinsicht.

In Deutschland sucht Wolf auch „Sieben Linden“ auf, eine nachbarschaftlich organisierte Gemeinschaft in der Altmark mit 120 Bewohnern, Tendenz wachsend. Und das, obwohl die Altmark sonst nicht gerade für Zuzug bekannt ist. Seit Forscher feststellten, daß der ökologische Fußabdruck eines Bewohners von „Sieben Linden“ nur ein Drittel so groß ist wie der des durchschnittlichen Bundesbürgers, interessiert sich auch die Politik zunehmend für deren Konzepte: möglichst geschlossene Energie- und Materialkreisläufe, solare Strom- und Wasserversorgung, Bauen mit regionalen Rohstoffen, ökologischer Gartenbau und Selbstversorgung.

L.O.V.E. Productions und Stefan Wolf treffen mit dem Thema sicher den Nerv der Zeit der Stadtgartenprojekte, Selbstnutzerkonzepte und einer Documenta ausdrücklich ohne Konzept, aber mit viel Natur. Auch gibt Wolf mit seinem journalistisch angelegten Recherchekonzept einen guten Überblick für alle, die auch auf der Suche nach einer neuen Lebensform sind. Tiefere Einblicke in die Lebensmodelle, Beobachtungen oder eine spezielle Art, mit Bildern umzugehen, sind nicht Teil seines Ansatzes. Deshalb bleibt es filmisch gesehen bei der Reportage, jedoch mit eindeutiger inhaltlicher Positionierung.

[ Susanne Schulz ]

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