Originaltitel: TAXI

Iran 2015, 82 min
FSK 0
Verleih: Weltkino

Genre: Dokumentation, Mockumentary, Roadmovie

Darsteller: Jafar Panahi, Hana Saeidi

Regie: Jafar Panahi

Kinostart: 23.07.15

12 Bewertungen

Taxi Teheran

Jafir Panahi und die Kunst seiner Filme, die eigentlich keine Filme sind

Dieser Film, TAXI TEHERAN, ist ein Akt des Widerstandes, ein exemplarisches Stück Guerilla-Kino künstlerischer Selbstbehauptung. Heikle Schmuggelware ist der Film außerdem. Und von alldem abgesehen, ist dieser Film vielleicht gar kein richtiger Film.

DIES IST KEIN FILM nannte Jafar Panahi 2011 eine Dokumentation, in welcher der iranische Regisseur einen Tag aus seinem eigenen Leben auf Digitalkamera festhielt. Panahi, unter Hausarrest stehend, belegt mit einem auf 20 Jahre festgesetzten Berufsverbot und verurteilt zu einer 6jährigen Haftstrafe, gegen die immer noch ein Berufungsverfahren läuft, protokolliert seine Situation. Ohne Larmoyanz, ohne Verbitterung oder gar Haß, aber eben auch, ohne zu kaschieren, was diese Situation, in der Panahi zu leben gezwungen ist, für einen Menschen bedeutet.

Ein geplantes Filmprojekt über die iranische Demokratiebewegung war es, mit der sich der Regisseur im Jahr 2010 endgültig den Zorn der iranischen Zensur zuzog. Es war auch der Beginn eines Katz-und-Maus-Spiels, ob dem man ahnen kann, wie schwankend und diffizil, gleichwohl gefährlich, die politische Situation im Iran für Oppositionelle ist. Denn Panahi, der nicht arbeiten darf, arbeitet, indem er zeigt, was es heißt, nicht arbeiten zu dürfen. Er filmt, und das immer wieder, jene ihm aufgezwungene Situation, die ihm das Filmen verbietet. Und er läßt die dabei entstandenen Werke, diese kleinformatigen filmischen Nichtfilme, außer Landes schmuggeln. Überall dorthin, wo sie gezeigt werden dürfen, und auf Menschen hoffend, die interessiert, was Panahi zu zeigen hat. Selten dürfte der Kauf einer Kinokarte ein so konkret wirkender Akt der Solidarität gewesen sein wie im Falle Jafar Panahis.

Auch in TAXI TEHERAN ist der wieder als er selbst zu erleben. Hinter dem Steuer eines Taxis sitzt er da und filmt heimlich – oder in suggerierter Heimlichkeit – seine Gäste, die Gespräche mit diesen und die mitunter auch skurrilen Begebenheiten, für die sie sorgen. Da gibt es etwa einen emotionalen Disput über Nutzen und Sinn der Todesstrafe zwischen einem Mann und einer Frau. Einen „DVD-Dealer“ mit den neuesten, schwarz gebrannten US-Blockbustern. Eine Anwältin, die Oppositionelle verteidigt. Zwei alte Damen, die mit einem Goldfisch ans andere Ende der Stadt wollen. Und irgendwann sitzt auch des taxifahrenden Regisseurs Nichte auf dem Beifahrersitz.

Jene kleine Hana, die ziemlich tough und dennoch mit Tränen in den Augen zur diesjährigen Berlinale den Hauptpreis abholte. Für TAXI TEHERAN und für den Onkel. Der natürlich nicht aus dem Iran ausreisen durfte, weil ja, nach der Logik der Macht, nicht sein kann, was nicht sein darf. Gegen diese Logik postuliert auch Panahis TAXI TEHERAN die Gegenposition. Gerade ob der Form des Reduzierten, die eben keine selbstgewählte ist. Die statischen Blickwinkel, die kleinen Brennweiten, das oft abrupte Aus und An der Kamera; es sind beredte Bilder einer Notlage. Aber allein in dem Umstand, daß und wie sie entstanden und weiter existieren, manifestiert sich die Zähigkeit, mit der ein Mensch am Willen zur Freiheit und Wahrheit hängen kann.

Allein, daß diese Arbeiten Panahis existieren, das also etwas ist, was nicht sein soll, formuliert nicht weniger als einen Sieg der Kunst über die Politik der Lüge und Repression.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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