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Zeit für Utopien

Die Einsteiger in eine neue Gesellschaft

Der Film schickt uns mit Protagonistin Petra Wähning, die ihrem Leben mit dem Projekt der „Solidarischen Landwirtschaft“ einen Neustart versetzte und als Anstoßgeberin des Filmes fungiert, auf Entdeckungsreise zu unterschiedlichsten Umdenkern rund um den Erdball. In ausführlichen Berichten über engagierte Initiativen und funktionierende Genossenschaften und Firmen, die dem Kapitalismus etliche Gegenvorschläge entgegenbringen, lernen wir, daß Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit nicht nur Anstrengung und Verzicht bedeuten. Eines der Mittel zum Erfolg ist Selbstermächtigung, wie eine dem ehemals Unilever-Konzern zugehörige Teefabrik in Südfrankreich beweist und nach jahrelangem Streik nun in Selbstverwaltung funktioniert. Am Beispiel Hansalim in Südkorea zeigt sich, wie sinnvoll genossenschaftliche Zusammenarbeit ist: Regionale Bauern haben dort eine nachhaltige Lebensbasis gefunden, indem ihnen 75 Prozent des Preises, den die Mitglieder in der Stadt für ihre Produkte zahlen, zusteht.

Neben den informativen Teilen können wir in ZEIT FÜR UTOPIEN auch herrliche Aufnahmen von satten Wiesen und tollen Wohnprojekten genießen. Der Film verwebt die Projekte geschickt miteinander, läßt Auswirkungen der einen Arbeit auf die nächste spürbar werden. So bleibt bei all den Weltverbesserungsstrategien auch Platz für eine kritische Reflexionsebene, denn natürlich ist es unmöglich, das kapitalistische System komplett umzudrehen. Im Kongo werden weiterhin Gold und Kobalt in Minen abgebaut, nach Europa gebracht, um selbst in fair produzierten Smartphones verbaut zu werden.

Der Film bringt uns nahe, daß die Lösung nicht einfach darin liegen kann, den Arbeitern in den Minen ihre Arbeit und Lebensgrundlage zu nehmen. Das Fairphone Unternehmen möchte dort ansetzen, wo es zu Menschenrechtsverletzungen kommt, und setzt sich für Arbeitsschutz und gerechte Bezahlung ein. Im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen muß die Firma jedoch auch vor Ort sein und so in den Kongo fliegen, während uns wenige Minuten später Umweltökonom Niko Paech in der Bahn sitzend erklärt, daß jedes Individuum in Mitteleuropa elf Tonnen CO2 pro Jahr verbrauche. Und das sind aktuell etwa 500% von dem, was unser Planet verkraften kann. „Food For Thought“ könnte der Untertitel des Filmes lauten, denn ZEIT FÜR UTOPIEN liefert geistige Nahrung und animierende Denkanstöße für eine gerechtere Welt, die keine Utopie mehr bleiben muß.

Österreich 2018, 95 min
FSK 0
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation

Regie: Kurt Langbein

Kinostart: 19.04.18

[ Katharina Wittmann ]