Originaltitel: NUJUM AL'AMAL W AL'ALAM,
Libanon/D/USA 2025, 110 min
Verleih: Neue Visionen
Genre: Drama, Liebe, Polit
Darsteller: Mounia Akl, Hasan Akil, Camille Salameh, Julia Kassar, Anthony Karam
Regie: Cyril Aris
Kinostart: 20.08.26
Haben wir den Filmtitel nicht schon mal als Dialogzeile gehört? Man könnte eine Preisfrage daraus zaubern, überläßt die schnelle Antwort aber besser dem libanesischen Regisseur Cyril Aris. Um sein fiktionales Debüt angemessen zu benennen, erinnerte er sich an die erste Zeile aus Roberto Benignis Mund in Jim Jarmuschs DOWN BY LAW: „It’s A Sad And Beautiful World.“ Aris will diesen Treffer gleich auf die Beschreibung seines Heimatlandes übertragen wissen, doch auch seine starke Liebesgeschichte verdient ihn unbedingt. Mit all ihrem Fieber, den Tränen und dem Lachen, der kindlichen Freude und dem erwachsenen Raunen über die Umstände des Daseins. A SAD & BEAUTIFUL WORLD legt Tempo vor, behält es bei beim Sprung durch über 30 Lebensjahre und schleicht sich angemessen langsam ran ans Herz. Es liegt an einer richtigen Entscheidung des Regisseurs und seiner Gabe, diese auch umzusetzen: Verliere im Galopp niemals Deine Figuren – und gleich gar nicht die beiden wichtigsten!
Da sind diese Punkte am Hals der Frau, die in Nino einen Schauer auslösen. Er, der ein kleines Familienrestaurant in Beirut betreibt, hatte Trick 17 bemüht, um sich für einen Autounfall zu revanchieren, der ihm jüngst passierte. Nino war mitten in ein Schaufenster gerauscht und hatte die ganze Sippe des Ladenbesitzers zum Frei-Mahl eingeladen. Mit am Tisch sitzt tatsächlich Yasmina. Jene schöne Frau, die ihn als schönes Mädchen in der Schule in Flammen zu setzen vermochte. Die mit ihm so oft, beide waren neun, auf einem Güterwaggon hockte und an Fluchtplänen bastelte. Yasmina eben! Die dann nicht gekommen ist, als es wirklich losgehen sollte. Die Nino nicht vergessen konnte, nicht ansatzweise, wie sich heute zeigen wird.
Es hätte also nur die nächste vom Gestern ins Jetzt geholte Lovestory werden können. Dieser Film aber verbindet auf so elegante wie stimmige, hoch emotionale wie ästhetisch brillante Weise die so traurige wie wunderschöne Welt, festgezurrt an diesem Ort, der schon beim Nennen seines Namens Brisanz erzeugt. Beirut, Libanon – Bomben, Terror, Epizentrum. Aris aber ist auf Yasmina und Nino fixiert, alles um sie herum ist Grundrauschen, alle Angst, alle Krisen, alle Wut. Es geht um die Machbarkeit einer Liebe und alle Hoffnung, alle Zweifel, allen Mut.
Großes Kino also! Auch das haben wir schon gehört. Kann man sich daran satthören? Niemals!
[ Andreas Körner ]