D/Südkorea 2026, 98 min
Verleih: Eksystent
Genre: Dokumentation, Biographie
Regie: Susanne Kim
Kinostart: 27.08.26
Der Liebe wird gern attestiert, jegliche Grenzen zu überwinden. Aber wie bringt man ein Kind, zwei sehr weit voneinander entfernte Herkunftsländer, drei Sprachen und unterschiedliche Erwartungen an das Leben unter einen Hut? Da reibt sich selbst die größte Liebe irgendwann an der Realität.
Die Leipziger Filmemacherin Susanne Kim beginnt einen Film über ihr herausforderndes Familienleben, als ihr Mann Kim Jeong-rae sich 2020 aus beruflichen und persönlichen Gründen entscheidet, nach Südkorea zurückzukehren. Auch davor schon war die Beziehung von langen räumlichen Trennungen geprägt. Für beide kommt ein Leben im Land des jeweils anderen auf Dauer nicht in Frage. Man könnte es sich einfach machen, die Ehe für gescheitert erklären und nach neuen Ufern Ausschau halten. Die gemeinsame Tochter benennt nüchtern, was die Erwachsenen nicht aussprechen. Und doch ist da etwas, was diese drei Menschen zusammenhält.
In dieser künstlerischen Erkundung geht Kim über ihren persönlichen Beziehungshorizont hinaus und stellt die verschiedenen weiblichen Rollenbilder in Südkorea und Ostdeutschland in einen größeren gesellschaftlichen Kontext. BECOMING KIM ist ein zärtliches und gleichzeitig schmerzhaft offenes Porträt einer Ehe in den mittleren Jahren nach dem Abklingen der romantischen Illusionen. Intime Szenen der seltenen familiären Begegnungen wechseln sich ab mit inszenierten Performance-Sequenzen, in denen die Regisseurin ihren Seelenzustand offenbart. Wenn sie unter anderem als schillerndes Huhn kostümiert durch koreanische Reisfelder läuft oder mit einer großen Vase einen Berg besteigt, wird offenbar, daß manchmal nur der Humor vor der Verzweiflung rettet.
[ Dörthe Gromes ]