D/CH 2025, 113 min
FSK 6
Verleih: Pandora
Genre: Tragikomödie, Roadmovie
Darsteller: Aladdin Detlefsen, Kanji Tsuda, Bettina Stucky, Cornelius Schwalm, Meltem Kaptan
Regie: Thomas Stuber
Kinostart: 30.04.26
Zwischen Fürsorge und Bevormundung liegt oft nur ein schmaler Grat. Das kennt Stefan Busch, von allen nur Buschi genannt, nur zu gut. Schließlich nötigt ihn seine resolute Betreuerin in der Wohngruppe für Menschen mit Behinderung oft genug zum Filmegucken, wenn er doch eigentlich was ganz anderes will. Zum Beispiel endlich schwimmen lernen, denn der junge Mann mit Down-Syndrom liebt das Wasser. Filmegucken wirkt dagegen nur wie ein Trostpreis für das wirkliche Leben. Und so büxt Buschi beim nächsten Ausflug kurzentschlossen aus und schließt sich einer japanischen Reisegruppe an. Die Touristen adoptieren ihn quasi, schließlich bedeutet sein Spitzname auf Japanisch „Samurai.“ Besonders der unnahbar wirkende Herr Kitamura hat es Buschi angetan. Auch er ist kein typischer Tourist und eigentlich auf der Suche nach etwas anderem. Kurzum, das ungewöhnliche Duo macht sich selbständig und reist auf eigene Faust durch Deutschland und die Schweiz. Beide eint eine starke Sehnsucht nach Selbstbestimmung, in puncto Gruppenzwang unterscheiden sich Reise- und Wohngruppe nicht so sehr.
Hinsichtlich der Plausibilität sollte man dem Plot einige Zugeständnisse machen, wenn man sich auf DER FROSCH UND DAS WASSER einläßt. Doch die Drehbuchschwächen werden durch das beeindruckende Schauspiel von Aladdin Detlefsen und Kanji Tsuda ausgeglichen. Beide agieren weitgehend ohne Worte und kommen sich trotzdem näher. Eine Nähe, die aus einer fraglosen gegenseitigen Akzeptanz gespeist wird. Auch die Nebenfiguren sind mit Bettina Stucky als dem Duo verzweifelt hinterherhetzende Betreuerin und Cornelius Schwalm als grandios unsympathischer Reiseleiter der Japaner exzellent besetzt.
Schade ist vielleicht, daß die Hintergründe der Hauptakteure etwas im Vagen bleiben. So hätte die Motivation von Herrn Kitamura, seinen Buschi-Schatten zu dulden, durchaus etwas mehr Aufhellung vertragen. Auch ziehen sich manche Reisestationen in die Länge, und die eine oder andere Volte hätte es nicht gebraucht. Aber es gelingen Regisseur Thomas Stuber in seinem lakonischen Roadmovie immer wieder berührende Szenen und schöne Beobachtungen am Wegesrand – unterstützt von einem in die Ohren gehenden Soundtrack. Der Film endet auf einer märchenhaften Note, die einen mit einem stillen Lächeln aus dem Kinosaal entläßt.
[ Dörthe Gromes ]
Passage Kinos: 16:00
Regina Palast: 16:45
Passage Kinos: 16:00
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