„Nichts konnte mich darauf vorbereiten, einen sterbenden Gletscher zu sehen“, sagt Ines Reinisch im Voice-Over, während der Helikopter über die zerklüftete, weiße Landschaft fliegt. Und sie konkludiert: „Diese Dimensionen erschlagen mich.“ Welche Schlußfolgerungen zieht also der Mensch angesichts solcher Bilder und Eindrücke? Welche Verantwortung kann wer übernehmen, und wie bereitet man sich auf Veränderungen auf dem Planeten vor?
ALZ UND WASSER fragt letztlich über die Begegnung mit Landschaften, wie die Menschheit auf die Auswirkungen des Klimawandels reagiert. Reinisch begleitet in ihrem Dokumentarfilm eine Expedition der „Polarstern“, ein Eisbrecher in der Ostantarktis. Das Schiff fährt dorthin, wo sich Verheerendes abzeichnen könnte. Die Wissenschaftler an Bord untersuchen die Entwicklung des Antarktischen Zirkumpolarstroms, ob und inwiefern das Eis durch dessen Verlagerung vom Schmelzen bedroht ist. Reinischs Film ist dabei zuvorderst einer über einen Arbeitsalltag in lebensfeindlicher Umgebung, den Alltag der Besatzung, den der Forschenden. Sie läßt in Interviews unterschiedliche Menschen an Bord zu Wort kommen, aus ihren Routinen erzählen, erklären, was sie warum gerade anstellen, mit welchen Sorgen, Nöten, Entbehrungen sie für ihre gefährliche Mission zu kämpfen haben.
Das ist in Kombination mit der Einordnung aus dem Off stark an Erzählkonventionen und Mittel eines Reportagefernsehens angelehnt und etwas zu selten auf der Suche nach markanten Kinobildern aus der Welt des Schiffes. Dadurch bleiben die eindringlichsten Momente jene, in denen das schiere Naturspektakel wirken darf: wenn hohe Wellen über die Leinwand peitschen oder aufgebrochene Eismassen die Kamera passieren.
D 2025, 106 min
Verleih: Farbfilm
Genre: Dokumentation, Natur
Regie: Ines Reinisch
Kinostart: 27.08.26
[ Janick Nolting ]