Originaltitel: SUNNY DANCER

GB 2026, 106 min
Verleih: Capelight/Wild Bunch

Genre: Tragikomödie, Erwachsenwerden, Liebe

Darsteller: Bella Ramsey, Neil Patrick Harris, Earl Cave

Regie: George Jaques

Kinostart: 13.08.26

Sunny Dancer

Die Traurigkeit wegtanzen

Für Ivy gibt es meist schlechte und sehr schlechte Nachrichten. Zu ersteren gehört, wenn Mama kocht, zu letzteren, daß der Krebs zurück ist. Aktuell gibt es da Entwarnung, Mamas Eintopf ist also die größere Herausforderung. Mit diesem berührenden wie komischen Einstieg ist der Ton des hinreißenden Films gesetzt, der schließlich von Ivys Aufenthalt in einem Camp für Jugendliche mit Krebshistorie erzählt, einem Motto-Lager, in dem Spaß vorgeschrieben ist, auch weil klar ist, daß manche im nächsten Sommer wohl nicht mehr anreisen. Die aufmüpfige und an sich eher introvertierte Ivy wird Freunde finden, die Liebe auch, was bei ihr mehr bedeutet, als endlich „die Stützräder abzuschrauben“, womit ihre Leidensfreundin Ella den ersehnten Verlust der Jungfräulichkeit doch sehr bildhaft bezeichnet.

SUNNY DANCER gelingt der Balanceakt, von Menschen zu erzählen, die zu jung mit Begriffen wie Neuroblastom und Remission jonglieren müssen und trotzdem urkomisch zu sein, Krebswitze gehören dazu, Schikanen gegen das Lagerpersonal sowieso. Der Film ist wild und zärtlich, unverkrampft und ehrlich, voller Gefühl und frei von Mitleid und genau darin daher oft zu Tränen rührend. Auch weil Lebensgier und Angst ganz fest Händchen halten. Es ist keiner der Filme, in denen Erwachsene immer zu wissen glauben, wie junge Menschen so ticken. Wir kennen das Gepäck des anderen oft nicht, der Film lehrt einen, daß zu viele Urteile zu früh gefällt werden.

Jeder im Lager hat seine eigene Methode klarzukommen, Schreien gehört dazu, tanzen sowieso. Und wenn Ivy und der hübsche Jake sich schließlich gegenseitig versichern, daß sie sich sehr, sehr, sehr mögen, gilt das für mich unbedingt auch für diesen Film.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.