Originaltitel: DANCING BEETHOVEN

CH/Spanien 2016, 79 min
FSK 0
Verleih: Arsenal

Genre: Dokumentation, Musik, Polit

Regie: Arantxa Aguirre

Kinostart: 13.04.17

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Dancing Beethoven

Señorita Aguirre, wir haben begriffen

Beim letzten Weihnachtskonzert im Gewandhaus Beethovens 9. Sinfonie gehört und irritiert gewesen vom dazu auf Videoleinwänden eingespielten Schnickschnack. Was vollmundige Versprechen als „spektakuläre, visuelle Inszenierung“ zu verkaufen suchten, blieb schlicht überflüssiger Tinnef. Wenn schon Optik zur eigentlich alleinstehend konzipierten Musik, dann doch bitte keine Beifügung, sondern Übersetzung, beispielsweise durch Tanz!

Dachte sich auch Maurice Béjart und transferierte Beethovens Paradewerk in ein Ballett. Körperspannung, Emotionen, Ausdruckskraft – gerade beim in utopisch weite Ferne gerückten „Alle Menschen werden Brüder“ beste Voraussetzungen, sich perfekt zu ergänzen. Was hier grundsätzlich zutrifft, die Kraft der Noten und jene der physischen Präsenz potenzieren einander, im Ergebnis bewundern wir Szenen berauschender Schönheit. Regisseurin Arantxa Aguirre hat allerdings mehr vor. Leider?

Die Antwort darauf fällt von Fall zu Fall, von Augenblick zu Augenblick unterschiedlich aus. Es gelingt ihr vorerst, eine Welt nahbar zu machen, deren losgelöste Individualität Gedankengänge à la „Die ’Arabesque’ sollte knackiger sein ...“ völlig logisch erscheinen läßt. Sie schafft außerdem tatsächlich das ziemlich Unmögliche: Man darf ein liebgewonnenes, oft gehörtes und wirklich geschätztes, jedoch vielleicht wegen der langen gemeinsam verbrachten Zeit mittlerweile nicht angemessen gewürdigtes Werk neu entdecken. Eine Beziehungsfrischzellenkur für den Hörer und die Sinfonie quasi. Auch am Wegesrand entdeckte und sogleich angerissene universellere Fragen (Kind oder Karriere?) lohnen die Beschäftigung, und Zubin Mehta zuzuhören, hat ja stets einige Freude gemacht. Weshalb nun trotzdem die oben getätigte Einschränkung?

Weil Aguirre ihre Doku gleichzeitig an politischen Pollern vertäut, was sie generell gern tun soll, „Diversität ist eine Bereicherung!“ müßte sich in hiesigen Zeiten mancher strikt zu Herzen nehmen. Aber immer und immer wieder noch mal für die letzte Reihe zu tönen, erzielt irgendwann kontraproduktive Effekte. Zumal es Aguirre ungeschickt angeht, den Hochgenuß erheblich stört, wenn erneut die „Ode an die Freude“ kurz angespielt und -getanzt, nachfolgend indes rigoros abgewürgt wird – und statt musikalischer Trommelfellschmeichelei der nächste Talking Head von der Leinwand aus eine bereits längst verstandene und nie bezweifelte Botschaft in den Zuschauerraum schmettert.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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