Originaltitel: BIGGER THAN US

F 2021, 96 min
Verleih: Plaion

Genre: Dokumentation

Regie: Flore Vasseur

Kinostart: 23.02.23

Bigger Than Us

Geopferte Jugend

Der Schutzwall leckt bereits, Wasser plätschert durchs Gestein. Eines Tages wird der steigende Meeresspiegel die ansässige Bevölkerung vertreiben. Oben auf der Mauer balanciert die 18jährige Melati: Die indonesische Umweltschützerin benennt drohende Katastrophen, vor denen viele die Augen verschließen. Mit ihr geht Regisseurin Flore Vasseur auf Weltreise, um weitere Jugendliche zu treffen. Sie leisten Aufklärungsarbeit, retten Geflüchtete, kämpfen für die Natur. Individuen erkennen ihre globale Verantwortung und wachsen über sich hinaus: Bigger Than Us eben.

Es ist das Porträt einer Generation, die in schweren Krisen aufwächst und noch schlimmeren entgegenblickt. Weil die Gesellschaft erstarrt, ergreift sie Eigeninitiative. BIGGER THAN US zollt dabei den Engagierten Respekt, entwirft aber ein zu zerstreutes Narrativ, um tatsächlich über Zusammenhänge aufzuklären oder Perspektiven zu erschüttern. Bequem ist die Lust am Superheldenkino, das sich lieber mit dem Zelebrieren herausragender Persönlichkeiten begnügt, anstatt deren Realitäten zu durchdringen. Untätige Staaten, Wirtschaftssysteme und Konzernmächte sind damit zwar kritisiert, aber zugleich als Norm und abstrakter Nährboden akzeptiert. Ästhetisch vermag es dieser Dokumentarfilm indes selten, nach oben zu treten, konkret zu werden. Seinem Aktivismus fehlt es an Formbewußtsein. Er plädiert fürs Handeln, Kämpfen, Vernetzen und schweift damit unbemerkt vom eigentlichen Drama der erklärten Notwendigkeit ab. Grüne Utopie und neoliberaler Leistungsdruck reichen sich auf dem Grab der heroisch geopferten Jugend längst die Hand. Ein Horrorfilm wäre dafür angemessener.

[ Janick Nolting ]