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Monster

Charakter im Kostüm

Vor zwei Jahren wurde in Florida eine Prostituierte für die Morde an sechs Freiern hingerichtet. Die Öffentlichkeit sah Aileen Wuornos als "Monster". An "die hoffnungsvollste Person, die ich je getroffen habe" erinnert sich Regisseurin Patty Jenkins, die sie noch persönlich kennenlernte. Mit dem Anspruch auf Wahrhaftigkeit, pendelnd zwischen den moralischen Polen von Verständnis und Ablehnung, erzählt Jenkins nun in ihrem Kinodebüt die Geschichte Aileens. Alles beginnt mit dem festen Entschluß, sich umzubringen. Wären da nicht die hart verdienten fünf Dollar für den letzten Blowjob, mit denen sie sich doch noch einmal ein Stück Leben, zwei Gläser Bier kauft. In der Bar wird sie von der jungen Lesbe Selby angemacht und läßt sich nach anfänglich rabiater Gegenwehr überreden, bei ihr zu übernachten. In der Nacht darauf begeht Aileen den ersten Mord. Sie erschießt einen gewalttätigen Freier in Notwehr. Aileens und Selbys Flucht beginnt - schmierige Hotels, Angst, Liebe und fünf weitere Morde, die das neue Leben finanzieren sollen.

Aus dem Off kommentiert Aileen ihre düstere Reise, die eigentlich schon in der Kindheit begann: Mißbrauch, ein Dollarschein vom ersten Benutzer, Armut. Mit diesem etwas simplen Erklärungskonzept kontrastiert Jenkins ihre eigentlich viel komplexer angelegte Studie, die triste Schnörkellosigkeit der Szenerie. Sie löst die Schuldfrage, bevor sie noch richtig gestellt ist. Ins Zentrum rückt mehr und mehr die glasknochenspröde Liebesgeschichte der beiden Frauen, die immer dann beeindruckend ist, wenn sich Hauptdarstellerin Charlize Theron ihrer Filmpartnerin Christina Ricci als ebenbürtig erweist: dann vergißt sie die falschen Monsterzähne, den angefutterten Speck, das sorgsam modellierte Gesicht, läßt hilflos die Arme fallen, statt mit ihnen zu rudern. Meist kann sie der oft kolportierten Rede von einer "unter die Haut gehenden Performance" jedoch nicht entsprechen: die Verwandlung vom Modell in die Mörderin findet vor allem an der Oberfläche statt.

Dafür wurde Theron international mit Darstellerpreisen geehrt - insgeheim aber in einer undankbaren Kategorie, die den Kollegen aus Fantasy-Produktionen vorbehalten bleiben sollte: "Mut zur Häßlichkeit"

Originaltitel: MONSTER

USA 2003, 111 min

Genre: Drama, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Charlize Theron, Christina Ricci

Stab:
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Patty Jenkins

Kinostart: 15.04.04

[ Sylvia Görke ]