Originaltitel: PALESTINE 36

F/Katar/Palästina/Saudi-Arabien/GB/Jordanien 2025, 119 min
Verleih: Alamode

Genre: Drama, Historie, Polit

Darsteller: Hiam Abbass, Jeremy Irons

Regie: Annemarie Jacir

Kinostart: 14.05.26

Palästina 36

Umkämpfter Boden

Wer den Nahostkonflikt verstehen will, sollte diesen Film sehen, auch wenn er sich historische Freiheiten nimmt. Annemarie Jacir entwirft ein Panorama über die Kämpfe um den Landbesitz in Palästina in den 30er-Jahren. Wie es bei solchen Rundumblicken oft der Fall ist, sind die Figuren, zwischen denen man hin- und herspringt, vor allem Rollenträger und Repräsentanten, weniger dreidimensionale Charaktere. PALÄSTINA 36 ist sehr damit beschäftigt, sie auf einem politischen Spielfeld zu positionieren, um in einzelnen Kapiteln sowie zwischen fiktionalen Szenen und dokumentarischem Material eine mahnende Lehrstunde vorzuführen. Es mutet bisweilen plakativ konstruiert an, wie die Dialoge auf ihre Probleme und Statements aufmerksam machen wollen.

Nichtsdestotrotz entfaltet Jacirs Drama eine beachtliche Spannung und Komplexität, mit der es aus palästinensischer Sicht von den Unruhen und Widerstandskämpfen gegen die Briten und den Konflikten mit jüdischen Siedlern erzählt. Jacir inszeniert ihr Revolutionskino als Gewaltspirale. Das arbeitet gerade gegen Ende mit dick aufgetragenem Pathos und ist keineswegs neutral in seiner Betrachtung des Konflikts, aber es ist aufschlußreich.

PALÄSTINA 36 packt einen gerade dann, wenn er seine Figuren und Konfliktparteien in Verhandlungen und Diskussionen schickt. Mit jedem Hinarbeiten auf eine friedliche Koexistenz in der Region öffnet die Dramaturgie neue Gräben. Nicht anhand eines spezifischen Moments, sondern einer Fülle an Situationen, in denen Autoritarismus, Religion, scheiternde Kommunikation und Diplomatie, Propaganda und Bekenntniszwänge auf eine Eskalation zusteuern.

[ Janick Nolting ]