D/Israel 2021, 85 min
FSK 6
Verleih: Salzgeber

Genre: Dokumentation, Biographie

Regie: Noemi Schory

Kinostart: 04.11.21

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Schocken

Kaufhauskönig, Verleger, Kulturförderer

Vollsortimentwarenhäuser kommen aus der Mode. Kaufhof, Karstadt und Co. wirken im Zeitalter des Internetshoppings wie Saurier. Beim Aufstieg der Warenhausketten in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Gebrüder Salman und Simon Schocken vorn mit dabei. Dem ersten Haus in Zwickau folgten Filialen in Chemnitz, Meißen, Frankenberg, später in Nürnberg und Stuttgart. Einige Bauten entstanden mit Erich Mendelsohn, einem namhaften Vertreter des neuen Bauens.

SCHOCKEN stellt Salman Schocken (1877 - 1959) in den Mittelpunkt, der weit mehr war als „nur“ ein Kaufmann. Aus bescheidenen Verhältnissen in Schlesien stammend, war er ein wahrer Bildungsbesessener. Die Unterstützung des jüdischen Geisteslebens war ihm mindestens ebenso wichtig wie seine unternehmerische Tätigkeit. Interviews mit Schocken-Kennern und seinen Nachfahren, aber auch mit ehemaligen Verkäuferinnen, die in Schocken-Häusern tätig waren, zeichnen das Bild eines gebildeten und rastlos tätigen Mannes. Aktuelle Aufnahmen von Schauplätzen werden mit historischem Archivmaterial ergänzt. Von Aufbau und Bildern her fährt der Film eher in konventionellem Fahrwasser, mit Hang zum Didaktischen, er besticht jedoch durch seine Informationsdichte. 

Die Machtübernahme der Nazis zwang den Unternehmer nach Palästina. Dort übernahm er die liberale Tageszeitung „Ha’aretz“, die sich bis heute im Besitz seiner Familie befindet. Nach Deutschland sollte er nicht mehr dauerhaft zurückkehren. Sein prächtiges Chemnitzer Kaufhaus wurde inzwischen zum Staatlichen Museum für Archäologie umgebaut. Das hätte den Bildungsbürger Schocken vermutlich gefreut.

[ Dörthe Gromes ]

Schocken ab heute im Kino in Leipzig