D/GB 2026, 96 min
FSK 0
Verleih: Real Fiction

Genre: Dokumentation, Natur

Regie: Ulrike Franke, Michael Loeken

Kinostart: 01.10.26

Watching People Watching Birds

Vogelbeobachtung, ganzjährig

Die Hamburger Band Fink um Nils Kop-pruch, Rockgott hab’ ihn wirklich selig, benannte ihr 1997er-Debüt „Vogelbeobachtung im Winter“ und hinterließ damit nicht unbedingt ornithologisches Staunen. Auch WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS hat Größeres im Sinn. Die Regiestatements jedenfalls sind hochtrabend genug. Leider ist es vor allem ein defensiv beobachtender Menschenfilm geworden, zu behäbig, zu beliebig in der Auswahl der Protagonisten, zu wenig ein Werk, das im Genre berührt oder gar packt und damit für ein brisantes Naturthema zu sensibilisieren vermag. Was eigentlich beabsichtigt war.

Früher waren mehr Vögel! Die 80er-Jahre mögen in Geschmacksfragen ein putziges Jahrzehnt gewesen sein, doch vogelreich waren sie, wie ein „Birder“ zu berichten weiß. Das weltweite Hobby der Vogelstimmenerkennung, Vogelsichtung und Vogel-erfassung existiert unabhängig von Beruf oder Herkunft. „Eine große Gruppe Zedernseidenschwänze im Baum, mehr braucht es nicht, um einen Birder glücklich zu machen“, sagt US-Autor Jonathan Franzen, von dem man bislang nicht zu wissen glaubte, wie sehr er auch Gefiederte als Freunde hat.

Franzen ist natürlich der Zug-Vogel im Film von Ulrike Franke und Michael Loeken. Es hätte ihn nicht gebraucht, dafür mehr Intensität in den Porträts der unbekannten Frauen und Männer, die sich mit stabiler Lust auf Pirsch machen hin zu Kronenwaldsänger, Mittelmeermöwe mit verdrehtem Bein, Mönchsgrasmücke, Gelbspötter und Elfenkauz. Mehr indirekte Begeisterung wecken also! Den Verlust von Humor oder Statement, Botschaft oder Faszination hätte es nicht bedeuten müssen. Im Gegenteil.

[ Andreas Körner ]